Historischer Rundbrief 2017/1

Anbei der aktuelle Historische Rundbrief: Historischer Rundbrief 2017/1

Wir laden herzlich ein zur:

  •  Jahreshauptversammlung und Seminar „Zukunft der Schlesienforschung“ am 18/19. MĂ€rz 2017 in Northeim und zur
  • 13. Studienfahrt “Schlösser und GĂ€rten im nördlichen Böhmen” von 27.08. bis. 03.09.2017!

 

 

Veranstaltungswoche der HKKNOS im Mai 2016 in Oberschlesien

In der Woche vom 22. bis 28. Mai 2016 fĂŒhrte die HKKNOS in Oberschlesien Forschungsarbeiten in Archiven und mehrere Veranstaltungen durch. Am Sonntagabend, dem 22.05.16, trafen mehrere Mitglieder der HKKNOS (Peter Ernst, Maik Gliese, Sebastian König, Monika Rose, Wolfgang Schiller, Andreas Smarzly, Manfred Weiss und Prof. Ralph Wrobel) im Hotel Piast in Oppeln ein. Zusammen mit den, außerhalb von Oppeln ĂŒbernachtenden, GĂŒnter Hauptstock mit Gattin und Robert Hellfeier mit Gattin, forschten alle Mitglieder der HKKNOS von Montag bis Mittwoch im Staatsarchiv Oppeln. Dabei konnten dank des zuvorkommenden Entgegenkommens der Leitung und der Mitarbeiter/innen des Staatsarchives, sowie des enormen Arbeitseinsatzes der Angereisten, vor allem die u.g. BestĂ€nde untersucht und zum großen Teil kopiert/fotografiert werden: FĂŒrstentum Oppeln-Ratibor, Evg. Pfarrei Neustadt, Kath. Pfarrei Steubendorf, Regierung Oppeln, Amtsgericht Oberglogau, Amtsgericht Ziegenhals, AmtsgerichtCosel, Amtsgericht Krappitz, Amtsgericht Ottmachau, Amtsgericht Gnadenfeld, Amtsgericht Neustadt, Landratsamt Neustadt, Katasteramt Krappitz, Katasteramt Neustadt, Standesamt Oberglogau, Standesamt GlĂ€sen, Standesamt Königsdorf, Standesamt Pommerswitz, Standesamt Neustadt, Standesamt Deutsch Rasselwitz, Standesamt Stiebendorf und Standesamt Steubendorf.

01 Arbeit im Archiv 1 (2)01 Arbeit im Archiv 1 (3)

01 Arbeit im Archiv 1 (1)
Im StaA Oppeln

An beiden Standorten des Archives, im Stadtzentrum und in der
Außenstelle in Groschowitz, konnten so mehrere Dutzend Meter Akten durchgesehen und mehrere Terrabyte Kopien angefertigt werden, die nun ihrer genauen Auswertung und Untersuchung entgegen sehen.

WĂ€hrend die o.g. Mitglieder die Forschungsarbeit im Archiv durchfĂŒhrten, haben die ebenfalls angereisten Mitglieder Rosemarie und Werner Matulla, sowie Herbert und Renate Schindler u.a. dem DFK in Neustadt/OS bei ihrem wöchentlichen Treffen am Montag, 23.05.16 einen Freundschaftsbesuch abgestattet. Bei Kaffee und Kuchen haben sie sich mit den anwesenden Mitgliedern des örtlichen DFK ĂŒber ihre Belange unterhalten können, insbesondere stand wieder im Mittelpunkt der anstehende Eichendorff-Wettbewerb, der wieder unter der Leitung von Frau Friedel Dams-Mokrska stattfinden wird. Mit dem Museumsdirektor Dr. Dominiak fĂŒhrten Herbert Schindler, sowie Werner und Rosemarie Matulla ein Interview, in dem Herr Dr. Dominiak die einstigen NeustĂ€dter ĂŒber ihre Erlebnisse am Ende des Krieges bzw. die Getto-Zeit und die Zeit danach befragte. Er hat ein Buch ĂŒber diese Zeit in Planung und braucht dafĂŒr insbesondere auch Informationen von Zeitzeugen.

Am Dienstag, den 24. Mai, besuchten mehrere Mitglieder das Seminar „Wirtschafts- und Sozialgeschichte Oberschlesiens: aktuelle Forschungsergebnisse“ an der UniversitĂ€t Oppeln. Mai 2016 (4)Mai 2016 (5)An diesem Seminar, welches unser Vereinsvorsitzender gemeinsam mit der Wirtschaftswissenschaftlichen FakultĂ€t an der UniversitĂ€t Oppeln als Vertreter der WestsĂ€chsischen Hochschule in Zwickau organisierte, hielt Prof. Ralph Wrobel auch einen Vortrag zum Thema: „LĂ€ndliche Unterschichten im Oberschlesien des 18. Jahrhundert: Das Beispiel Leschnig, Kreis Neustadt/OS“. Insgesamt wurden sechs VortrĂ€ge, von deutschen und polnischen Forschern gehalten. Weitere gemeinsame Projekte sind hier fĂŒr 2017 geplant.

Nach Abschluss der Forschungsarbeiten in Oppeln, begaben sich am Mittwoch, dem 25. Mai, alle in Schlesien verweilenden Mitglieder der HKKNOS nach Oberglogau, wo unser Vereinsfreund und Direktor des StĂ€dtischen Museums in Oberglogau, Alexander Devosges-Cuber, gemeinsam mit dem zweiten Vorsitzenden der HKKNOS, Andreas Smarzly, eine Veranstaltung organsierte, an welcher der eben erst frisch gedruckte 9. Band der Landeskundlichen Schriftenreihe der HKKNOS mit dem Titel „Der Altkreis Oberglogau im Karolinischen Steuerkataster von 1722/26“, der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die Buchvorstellung in den originell renovierten RĂ€umen des uralten Stockhausturmes von Oberglogau, in denen sich neben den angereisten- und vor Ort wohnenden Mitgliedern der HKKNOS auch zahlreiche Interessierte aus nah und fern einfanden, leitete GĂŒnter Hauptstock mit dem Vortrag „Oberglogauer Juden wĂ€hrend der nationalsozialistischen Zeit“ ein. Es handelte sich hier um die Vorstellung einer bisher kaum erforschten Thematik, die der Vortragende in einem ausfĂŒhrlich recherchierten Aufsatz in seinem kĂŒrzlich erschienenen Buch „BeitrĂ€ge zur Geschichte der Stadt Oberglogau IV“ erstmals prĂ€sentierte.

Diesem Vortrag folgte zunĂ€chst die Vorstellung der Historischen Kommission durch deren ersten Vorsitzenden. Prof. Dr. Ralph Wrobel prĂ€sentierte dabei den Teilnehmern der Veranstaltung die ĂŒber 30-jĂ€hrige Geschichte der HKKNOS, deren Leistungen, Erfolge, Errungenschaften, die aktuellen Projekte, sowie kĂŒnftigen Ziele und Vorhaben. Er rief alle an der Geschichte dieser Region Interessierten zur Zusammenarbeit mit der Historischen Kommission auf. Daraufhin kam er zum eigentlichen Punkt der Veranstaltung und stellte zunĂ€chst die Entstehung der durch Kaiser Karl VI. befohlenen Erstellung des sog. „Karolinischen Katasters“ vor. Er beleuchtete den Inhalt des Katasters und hob hervor, dass dieses eine einzigartige PrimĂ€rquelle fĂŒr die Wirtschafts-, Sozial- und Familiengeschichte Schlesiens in der Zeit nach dem DreißigjĂ€hrigen Krieg darstellt. Die Besonderheit dieser Quelle ist auch die Hauptursache dafĂŒr gewesen, dass zehn Mitglieder der HKKNOS ĂŒber zwölf Jahre lang beharrlich und entschlossen an der Entzifferung, der Erstellung von geschichtlichen EinfĂŒhrungen und OrtsĂŒbersichten, den Verzeichnissen und einem prĂ€zisen Fußnotenapparat, arbeiteten. Das 605 Seiten starke Ergebnis eines gewaltigen Zeit- und Arbeitsaufwandes prĂ€sentierte Prof. Wrobel daher auch mit einigem Stolz vor dem versammelten Publikum. Dieses Buch kann ab sofort beim Vorstand der HKKNOS zum Preis von 10 € oder 40 PLN (plus Versandkosten) bestellt werden.

Mai 2016 (6)

Mai 2016 (7)Weitere Fotos zur BuchprÀsentation in Oberglogau siehe hier.

Die Veranstaltungswoche der HKKNOS in Oberschlesien krönte der „Historische Nachmittag“ am Donnerstag, den 26. Mai 2016, in Körnitz, den der zweite Vorsitzende Andreas Smarzly mit einer Schar engagierter Helfer im Namen der Historischen Kommission organisierte und durchfĂŒhrte.
Nach der BegrĂŒĂŸung der Veranstalter und aller GĂ€ste in Körnitz durch den Ortsvorsteher Tomala, eröffneten Andreas Smarzly und Andrea Marx in der gerĂ€umigen Sporthalle der Körnitzer Schule, in der sich weit ĂŒber zweihundert GĂ€ste und alle angereisten Mitglieder der Historischen Kommission eingefunden hatten, zunĂ€chst ihre gemeinsame Fotoausstellung „Körnitz und die Körnitzer in alter Fotografie“. Die Ausstellung umfasst ca. dreihundert Fotos und Ansichtskarten von Körnitz aus der Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre und gliedert sich in die Themen: Trachten, Familien, Kinder, Kirche & Religion, Messdiener, Hochzeiten, Erste Hl. Kommunion, Kirchenchor, Orchester, Landwirtschaft, MilitĂ€r, Schule, Lehrkörper, Schulklassen, SchulausflĂŒge, Kindergarten, Freizeit/Feierabend, Fußball und Motorisierung. Ein ĂŒberwĂ€ltigendes Interesse der GĂ€ste an der Fotoausstellung ĂŒberzeugte die Ausstellungsveranstalter, die ursprĂŒnglich als zeitlich befristet geplante Ausstellung nun zunĂ€chst ein mal fĂŒr unbefristete Zeit in den RĂ€umen des DFK in Körnitz den Interessierten weiterhin zu prĂ€sentieren. Zahlreiche Körnitzer fĂŒhlten sich noch wĂ€hrend des „Historischen Nachmittages“ inspiriert, mit ihren privaten alten Familienfotos die Ausstellung zu bereichern und diese fĂŒr ein kĂŒnftig geplantes Buch mit historischen Fotografien von Körnitz zur VerfĂŒgung zu stellen.
Mai 2016 (16) Mai 2016 (15)Mai 2016 (17)

In seiner Eröffnungsrede bedankte sich Andreas Smarzly an erster Stelle bei seiner Vereinskollegin Andrea Marx, aber auch bei der gesamten Historischen Kommission, dem Deutschen Freundschaftskreis Körnitz mit seinem Vorsitzenden Georg Rybczyk an der Spitze und dem Schulleiter der Körnitzer Schule, Herrn Ryszard ReszczyƄski, fĂŒr die enorme UnterstĂŒtzung, die alle bei der Organisation der Veranstaltung geleistet hatten. Ebenso dankte er auch den zahlreichen Sponsoren, die u.a. fĂŒr die kostenlose Bewirtung der anwesenden GĂ€ste mit schlesischem Streuselkuchen, Kaffee und GetrĂ€nken gesorgt hatten.

Mai 2016 (8)

Daraufhin stellte Prof. Wrobel, wie bereits tags zuvor in Oberglogau, den Anwesenden die Historische Kommission vor und prĂ€sentierte dem Publikum das neue Gemeinschaftswerk „Der Altkreis Oberglogau im Karolinischen Steuerkataster von 1722/26“. Im Anschluss an die Buchvorstellung nutzten die GĂ€ste rege die Möglichkeit zum Erwerb des neuen Buches.Mai 2016 (9)
Mai 2016 (11)

Andreas Smarzly informierte danach die Anwesenden ĂŒber den aktuellen Stand an den Arbeiten einer Chronik des Dorfes Körnitz. Er stellte dabei den Interessierten die existierenden Quellen vor, die fĂŒr die Beleuchtung der Vergangenheit dieses Dorfes unabdingbar sind, und die er bereits erforscht hat. Gleichzeitig zeigte er auch auf, welche Dokumente noch erforscht werden mĂŒssen und welche geschichtliche Epochen aufgrund fehlender Quellen wohl niemals restlos beleuchtet werden können. Eindringlich bat der Sprecher die Körnitzerinnen und Körnitzer um Hilfe bei der Erforschung der Geschichte ihres Heimatortes. Insbesondere ersuchte er alle anwesenden Einwohner, alte Fotos, Dokumente, historische Zeugnisse, ErzĂ€hlungen oder Erinnerungen mit ihm zu teilen, damit er mit diesen die Dorfchronik weiter bereichern kann.

Als nĂ€chste Referentin trat unsere Vereinskollegin, die gebĂŒrtige Körnitzerin, Anna MMai 2016 (14)yszyƄska mit ihrem Vortrag „Meine doppelte IdentitĂ€t“ auf. Die durch ihre, in der oberschlesischen Mundart geschriebenen BĂŒcher, in Oberschlesien dem breiten Publikum bekannte Schriftstellerin stellte den Anwesenden ihr von deutscher und polnischer Kultur beeinflusstes Leben und ihre bisherige literarische Arbeit vor.

Den letzten Vortrag des Tages hielt der Schulleiter der Körnitzer Grundschule, Herr Ryszard ReszczyƄski. Er prĂ€sentierte dabei die Ergebnisse seiner bisherigen Forschungen ĂŒber den ehemaligen Pfarrer von Körnitz, Anton Sarnes, und dessen TĂ€tigkeit als Herausgeber der polnisch sprachigen katholischen Zeitschrift „Monika“. So ĂŒberraschte der Referent die Zuhörer u.a. mit seiner Ablehnung der bisherigen Feststellungen polnischer Historiker, Pfarrer Sarnes sei ein VorkĂ€mpfer des Polentums in Oberschlesien gewesen, als er Zeugnisse prĂ€sentierte, die die unerschĂŒtterliche Treue des Kirchenmannes zu Deutschland und zum deutschen Kaiserhaus unterstrichen. Mit der Vorstellung der TĂ€tigkeit und des Lebenslaufes des Geistlichen vervollstĂ€ndigte ReszczyƄski wesentlich den bisherigen Forschungsstand ĂŒber die Körnitzer Pfarrei und die hier tĂ€tigen Geistlichen im ausgehenden 19. Jahrhundert.Mai 2016 (12)

Zur Auflockerung der AtmosphÀre trat zwischen den VortrÀgen die Gesangsgruppe des Deutschen Freundschaftskreises in Körnitz auf. Mit Volksliedern in deutscher, polnischer und oberschlesischer Sprache verbreiteten die Damen um den auf einer Harmonika musizierenden Heinrich Kamrad unter den GÀsten sehr viel gute Laune.Mai 2016 (13)

Nicht nur unter den Bewohner von Körnitz und der Umgebung fand der „Historische Nachmittag“ großes Interesse, auch die lokale Presse („Tygodnik Krapkowicki“, „Nowiny Krapkowickie“, „Tygodnik Prudnicki“), die ihre Reporter zu der durchweg zweisprachig durchgefĂŒhrten Veranstaltung entsandte, berichtete ĂŒber diese im Nachhinein sehr positiv und teilweise auch sehr ausfĂŒhrlich:

Nowiny Krapkowickie 31.05.2016

Nowiny Krapkowickie 31.05.2016b

Tygodnik Krapkowicki

Tygodnik Prudnicki

Zycie Glogowka

Aus der Sicht des vollzĂ€hlig an der Veranstaltungswoche teilnehmenden Vorstandes der Historischen Kommission und der mitgereisten sowie ortsansĂ€ssigen Mitglieder war diese Tour ein vollstĂ€ndiger Erfolg. Die Unmengen an neuen Dokumenten, Materialien und Daten aus dem Staatsarchiv werden wieder einen weiteren Grundstock fĂŒr zahlreiche neue Forschungen und Publikationen der Mitglieder oder im Rahmen der landeskundlichen Schriftenreihe bilden. Die zahlreich besuchten Veranstaltungen an der UniversitĂ€t in Oppeln, in Oberglogau und in Körnitz hingegen machten unseren Verein in Schlesien noch bekannter, erregten großes Interesse an unserer Arbeit (insbesondere an unserer neuesten Publikation „Der Altkreis Oberglogau im Karolinischen Steuerkataster von 1722/26“) und verschafften uns zugleich viele neue interessante Kontakte, Freunde und sogar einige neue Mitglieder.

Andreas Smarzly

Neue Buchpublikation: Der Altkreis Oberglogau im Karolinischen Steuerkataster von 1722/26

Der Altkreis Oberglogau im Karolinischen Steuerkataster von 1722/26

Mit dem nun schon 9. Band ihrer Landeskundlichen Schriftenreihe legt die KKHistorische Kommission nun die Ergebnisse einer ĂŒber 12 Jahre andauernden Forschungs- und Entzifferungsarbeit vor: die steuerlichen Aufzeichnungen ĂŒber den gesamten bĂ€uerlichen Besitz in den Dörfern des alten Kreises Oberglogau von Psychod im Norden bis Schönau im SĂŒden, von Olbersdorf im Westen bis Walzen im Osten. Das Steuerkataster, dessen OriginalbĂ€nde im Staatsarchiv Breslau vorliegen, wurde von Kaiser Karl VI. in Auftrag gegeben und in den Jahren 1722 bis 1726 von lokalen Kommissionen aufgezeichnet. Es enthĂ€lt fĂŒr alle Bauern und GĂ€rtner den Vieh- und Landbesitz in detaillierter Beschreibung, Informationen ĂŒber die örtlichen MĂŒhlen und WĂ€lder, den Bier- und Schnapsausschank u.v.m. Damit bietet das Buch fĂŒr den interessierten Leser eine Vielzahl von Informationen – entweder zur eigenen Familiengeschichte oder zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte der gesamten Region.

Das Buch ist zweisprachig gestaltet, d.h. es besteht aus einer deutschen und einer polnischen historischen EinfĂŒhrung, dem deutschen Originaltext des Katasters in komprimierter Form sowie einer Ortsnamenkonkordanz. Hinzu kommt ein Verzeichnis der Nachnamen, welches das Auffinden einzelner Familien im Buch stark erleichtert.

Das Buch kann zum Preis von 10,00 Euro plus Porto und Verpackung bestellt werden beim Vorstand: ralph.wrobel@hkknos.de oder andreas.smarzly@hkknos.de

 

Link (deutschsprachig):
Schlesische Steuerkataster des frĂŒhen 18. Jahrhunderts entdeckt!

 

Veranstaltungen im Mai 2016 in Oberschlesien

Wir laden Sie herzlich ein zu den Veranstaltungen der HKKNOS im Mai 2016 in Oberschlesien:

24.05.2016 in Oppeln: Seminar „Wirtschafts- und Sozialgeschichte Oberschlesiens: aktuelle Forschungsergebnisse“

25.05.2016 in Oberglogau: Vorstellung des 9. Bandes der Landeskundlichen Schriftenreihe der HKKNOS: „Der Altkreis Oberglogau im Karolinischen Steuerkataster von 1722/26“

26.05.2016 in Körnitz: “Historischer Nachmittag” mit geschichtlichen VortrĂ€gen und einer Ausstellung „Körnitz und die Körnitzer in alter Fotografie“

Lesen Sie mehr im aktuellen “Historischen Rundbrief”: Rundbrief 2016-2

Geschichtliches Seminar und Jahreshauptversammlung der HKKNOS am 05/06. MĂ€rz 2016

Am 5.-6. MĂ€rz 2016 fĂŒhrte die HKKNOS ein geschichtliches Seminar und ihre jĂ€hrliche Hauptversammlung im großen Sitzungssaal des Restaurants „Goldener Löwe“ in Northeim durch.  

Bericht 05-06.03.2016 dt

HKKNOS 05.06.03.2016 (Foto C by Paul Dittrich)
Erinnerungsfoto

Es wurden folgende VortrÀge gehalten:

– „LĂ€ndliche Unterschichten in Oberschlesien im 18. Jahrhundert: Das Beispiel Leschnig, Kreis Neustadt/OS“ (Prof. Dr. Ralph Wrobel)

„Die nordwestdeutsche Industriestadt Delmenhorst als Ziel oberschlesischer Arbeitswanderung aus dem KreisNeustadt am Ende des 19. Jahrhunderts“ (PD Dr. Michael Hirschfeld)

„Prądnik, historischer Name von Neustadt? – Herkunft der Wörter ‚Prudnik‘ – historische und sprachliche Aspekte“ (Dr. Joachim Himanek)

„Die AnfĂ€nge der Stadt Neustadt und Genese des Namens „Prudnik“ im Licht neuester Untersuchungen“ (Dr. Wojciech Dominiak)

Bericht 05-06.03.2016 dt

 

 

30-jÀhriges JubilÀum in Northeim

Zum 30-jĂ€hrigen JubilĂ€um der Historischen Kommission fĂŒr den Kreis Neustadt/OS luden die Paten- und Partnerstadt Neustadts, Northeim (Han.), und der Vorstand Mitglieder und GĂ€ste zur JubilĂ€umsfeier am 7. und 8. MĂ€rz 2015 an den GrĂŒndungsort ein. In Northeim war am 12./13. April 1985 die Historische Kommission (HKKNOS) durch Horst Zobel und einige weitere an der Geschichte des Kreises Neustadt/OS Interessierte gegrĂŒndet worden.


Die Feierlichkeiten wurden am Samstag, den 7. MĂ€rz, im BĂŒrgersaal im St. Blasien-Komplex eröffnet. Der BĂŒrgermeister von Northeim, Hans-Erich TannhĂ€user, begrĂŒĂŸte alle Anwesenden sehr herzlich und gratulierte der HKKNOS zum 30-jĂ€hrigen Bestehen, ebenso zu langer wissenschaftlicher TĂ€tigkeit und ihrem erfolgreichen Beitrag zur Versöhnung zwischen Deutschland und Polen. Er sicherte der HKKNOS zu, in Northeim auch kĂŒnftig immer eine Heimat zu finden, umriss die Geschichte der NeustĂ€dter Heimatstube und schilderte den derzeitigen Stand des Umzugs der NeustĂ€dter Heimatstube ins StĂ€dtische Museum von Northeim.
Auch der BĂŒrgermeister von Neustadt/OS (poln. Prudnik) Franciszek Fejdych und der stellvertretende Landrat des Kreises Neustadt Krzysztof Barwieniec sprachen der HKKNOS ihre GeburtstagsglĂŒckwĂŒnsche aus. BĂŒrgermeister Fejdych wĂŒrdigte den sensiblen aber stets wahrheitsgetreuen Umgang der HKKNOS mit der Geschichte der gemeinsamen Heimat mit den Worten:

„In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Historische Kommission mit sehr schwierigen Themen befasst, mit Themen, die dazu geeignet sind, die Menschen eher zu trennen als zu einen. Bei Ihnen wurde es anders: Sie haben eine VerstĂ€ndigungsebene geschaffen, bei der das GesprĂ€ch zu schwierigen Themen stets mit einer gebĂŒhrenden Achtung vor denen geschah, die es betraf.“

Auch der Vizelandrat Barwieniec betonte die Wichtigkeit einer unverfĂ€rbten und gleichzeitig einfĂŒhlsamen Aufarbeitung der Geschichte des Kreises durch die HKKNOS. Er ĂŒberbrachte GrĂŒĂŸe des Landrats Roszkowski, der seine Anwesenheit in letzter Minute aus dringenden GrĂŒnden leider absagen musste, und stellte die durch den Landrat initiierte Towarzystwo Historyczne Ziemi Prudnickiej (Historische Gesellschaft des NeustĂ€dter Landes) vor, die im Entstehen begriffen ist und kĂŒnftig mit der HKKNOS aufs engste kooperieren möchte.
Daraufhin begrĂŒĂŸte der erste Vorsitzende der HKKNOS, Prof. Dr. Ralph Wrobel, alle Anwesenden und stellte den Werdegang, die bisherigen Errungenschaften, die aktuellen vielseitigen TĂ€tigkeitsfelder und die kĂŒnftigen Perspektiven der Kommission vor. Aufgrund der Anwesenheit der GĂ€ste aus Polen – außer dem BĂŒrgermeister von Neustadt und dem Vizelandrat waren auch der zweite BĂŒrgermeister von Neustadt, StanisƂaw Hawron, sowie die Vorstandsmitglieder des Towarzystwo Historyczne Ziemi Prudnickiej, Frau Urszula Rzepiela und Herr Marcin Husak anwesend – wurde die gesamte Veranstaltung mit Hilfe von engagierten Dolmetschern zweisprachig gefĂŒhrt.
Einen Höhepunkt der Festveranstaltung bildete der Vortrag des bekannten Schlesien-Historikers, Herrn Dr. Ulrich Schmilewski, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Stiftung Kulturwerk Schlesien, erster stellvertretender Vorsitzender der Historischen Kommission fĂŒr Schlesien und Schatzmeister des Vereins fĂŒr Geschichte Schlesiens. Dr. Schmilewski prĂ€sentierte mit dem höchst spannenden Vortrag „Der schlesische Adel und die Gegenreformation am Beispiel der Schaffgotsch und der Oppersdorff“ ein in der Schlesienforschung brandaktuelles Thema, das durch die BeschĂ€ftigung mit dem Adelsgeschlecht derer von Oppersdorff auch die Geschichte des Kreises Neustadt direkt berĂŒhrt. Neben der interessanten Thematik erfreute Dr. Schmilewski die Zuhörer auch mit der Mitteilung, dass er bei der Erstellung seines Vortrages hĂ€ufig auf Arbeiten von Mitgliedern der HKKNOS zugegriffen habe.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen, wurde im großen Tagungssaal der Restaurants „Goldener Löwe“ der zweite Teil der Festveranstaltung begonnen. Die Vorstandsmitglieder des Towarzystwo Historyczne Ziemi Prudnickiej, Frau Urszula Rzepiela und Herr Marcin Husak hielten gemeinsam den Vortrag „Willa Hermanna FrĂ€nkla – fabrykanta, dyplomaty, filantropa“ (Villa des Fabrikanten, Diplomaten und WohltĂ€ters Hermann FrĂ€nkel). WĂ€hrend der Mitarbeiter des StĂ€dtischen Museums in Neustadt und Neumitglied der HKKNOS Husak sich mit der Person des Erbauers beschĂ€ftigte, lĂŒftete die ehemalige Direktorin des StĂ€dtischen Museums in Neustadt Rzepiela vor den Zuhörern die geheimnisvolle Architektur der kĂŒrzlich komplett renovierten Villa in Neustadt. Den offiziellen Abschluss der Festveranstaltung bildete der historische Vortrag von Prof. Wrobel „Die Paulinermönche im Kloster Wiese – Auf den Spuren von Xaver Rotter durch das Internet“. Dabei prĂ€sentierte der Referent Möglichkeiten zur Auffindung interessanter Quellen im Internet und das durch systematisches Kopieren ĂŒber Jahrhunderte und Sprachgrenzen hinweg erfolgte unkritische Plagiieren bei der Erstellung von historischen Darstellungen. Nach einem gemeinsamen Abendessen fĂŒhrten die Mitglieder und GĂ€ste in gemĂŒtlicher AtmosphĂ€re angeregte und spannende GesprĂ€che bis weit in die Nacht hinein.

Am darauf folgenden Sonntag besuchten die Mitglieder der HKKNOS gemeinsam mit den polnischen GĂ€sten die neueingerichtete NeustĂ€dter Heimatstube im StĂ€dtischen Museum von Northeim. Daraufhin verabschiedeten sich die GĂ€ste aus Polen, und die Mitglieder der HKKNOS schritten zur Jahreshauptversammlung des Vereins, die ebenfalls im großen Tagungssaal im „Goldenen Löwen“ stattfand. Nachdem der erste Vorsitzende Prof. Wrobel die BeschlussfĂ€higkeit festgestellt hat, berichtete er ĂŒber die aktuell laufenden TĂ€tigkeiten und Projekte des Vereins. So wird derzeit an einer Erneuerung der Interseite der HKKNOS gearbeitet, die insbesondere zeitgemĂ€ĂŸ und zweisprachig, bzw. kĂŒnftig eventuell sogar dreisprachig (dt./pl./engl.) erscheinen soll. Vor allem die in letzter Zeit der HKKNOS beigetretenen jungen Mitglieder konnten mit zahlreichen VorschlĂ€gen und Ideen die Diskussion zu diesem Thema bereichern. Es wurde der Vorschlag des Webmasters Christian Sarnes angenommen, mit dem System WordPress die Homepage in nĂ€chster Zeit neu aufzubauen. Weiterhin berichtete Prof. Wrobel ĂŒber den aktuellen Stand der Planungen zur JubilĂ€umsfahrt „Von Krakau nach Neustadt/OS: Studienfahrt durch Kleinpolen und Oberschlesien“, die von 30.08. bis 06.09.2015 stattfinden wird. Obwohl der Großteil der PlĂ€tze hier bereits belegt ist, können ein paar Interessierte gerne noch aufgenommen werden. Zum Schluss stellte der erste Vorsitzende sein neues Buch „Geschichte der Dörfer Deutsch und Polnisch MĂŒllmen“ vor, das er gemeinsam mit Pfarrer Wolfgang Globisch kĂŒrzlich publizierte, das jedoch inzwischen vollstĂ€ndig vergriffen ist. Eine verbesserte Neuauflage soll demnĂ€chst erfolgen.
Der zweite Vorsitzende, Andreas Smarzly, bat die Mitglieder, mit denen der Schriftverkehr noch per Post erfolgt, die aber bereits ĂŒber eine E-Mail-Adresse verfĂŒgen, diese dem Vorstand mitzuteilen, um den kĂŒnftigen Informationsaustausch zu erleichtern. Zudem berichtete er ĂŒber die Vortragsreise nach Oberschlesien vom 15. bis 19. Juni 2014 (siehe Bericht im Historischen Rundbrief 01/2015). In diesem Zusammenhang stellte er hier sein Buch „Blaschewitz (Kreis Neustadt OS) – Geschichte eines oberschlesischen Dorfes“ vor, das als 8. Band im Rahmen der Landeskundlichen Schriftenreihe der HKKNOS im Jahre 2014 zweisprachig erschienen ist. Auch dieses Buch ist bis auf vereinzelte Restposten weitestgehend ausverkauft, eine Neuauflage ist hier nicht geplant. Andreas Smarzly berichtete zudem ĂŒber private Digitalisierungsprojekte einiger Mitglieder der HKKNOS von wichtigen Quellen zur Geschichte des Kreises Neustadt. So entstanden kĂŒrzlich DVDs mit digitalisierten Ausgaben der NeustĂ€dter Heimatbriefe 1950-2014, des Oberglogauer Stadtblattes 1905-1939, der Oberglogauer Zeitung 1845/47 und der NeustĂ€dter KreisblĂ€tter 1843-1938, die ĂŒber die HKKNOS bezogen werden können. In diesem Zusammenhang prĂ€sentierte Sebastian König die erst kĂŒrzlich durch ihn fertiggestellte Digitalisierung der NeustĂ€dter Heimatbriefe 1950-2014 und die einfachen Auswertungsmöglichkeiten dieser wertvollen Quelle. König wies darauf hin, dass aufgrund der Vorgabe von Frau LĂŒddecke und des Rocco-Verlages, welche die Rechte an den NeustĂ€dter Heimatbriefen besitzen, eine Nutzung der Digitalisierung ausschließlich fĂŒr wissenschaftliche Forschung durch Mitglieder der HKKNOS freigegeben ist.
Zu den laufenden Projekten berichtete Prof. Wrobel ĂŒber den Stand zu den Arbeiten am gemeinsamen Werk der HKKNOS „Der Altkreis Oberglogau im Karolinischen Steuerkataster von 1722/26“. So sind inzwischen auch das Vorwort, die wissenschaftliche EinfĂŒhrung und die Geschichtliche EinfĂŒhrung fertiggestellt und ins Polnische ĂŒbersetzt worden. Sofern die redaktionellen Arbeiten an den Transkriptionen der einzelnen Dörfer rechtzeitig fertig gestellt werden, können die Abgabe des Werkes an den Verlag und der darauffolgende Druck und die Veröffentlichung eventuell noch im Herbst dieses Jahres erfolgen. Zum Schluss berichtete Johannes Preisner ĂŒber Fortschritte an seinem zweisprachigen Buch „Die Vertreibung der Deutschen aus dem Kreis Neustadt/OS“, das ebenfalls im Rahmen der Landeskundlichen Schriftenreihe der HKKNOS herausgegeben werden soll.
Die jĂ€hrliche KassenprĂŒfung wurde auf Antrag der Schatzmeisterin Rosemarie Matulla, die lĂ€ngere Zeit krankheitsbedingt ausgefallen war, auf das nĂ€chste Jahr verlegt. Frau Matulla gab einen kurzen Bericht ĂŒber den aktuellen finanziellen Stand des Vereins ab.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen wurde die Jahreshauptversammlung beendet und die Teilnehmer konnten in der Sonne den ersten warmen FrĂŒhlingstag des Jahres genießen.

Andreas Smarzly
www.hkknos.de

Veröffentlichung in:
NHB
Historischer Rundbrief HKKNOS
Schlesien Heute (gekĂŒrzt)
Northeimer Zeitung (gekĂŒrzt)
Tygodnik Prudnicki (ĂŒbersetzt)
Zycie Glogowka (ĂŒbersetzt)