13. Studienfahrt „Schlösser und GĂ€rten im nördlichen Böhmen“

In der Woche vom 27. August bis 3. September 2017 fĂŒhrte die Historische Kommission fĂŒr den Kreis Neustadt/OS (HKKNOS) ihre 13. Studienfahrt, unter dem Motto „Schlösser und GĂ€rten im nördlichen Böhmen“, durch. Dieses Jahr besuchten die 23 Teilnehmer der Reise die mit Schlesien benachbarte Grenzregion im nördlichen Tschechien.

Die in Wadersloh, Erfurt und Dresden zugestiegen Reisenden erreichten bereits am spĂ€ten Nachmittag des ersten Tages Tetschen (Děčín), wo fĂŒr die nĂ€chsten drei NĂ€chte im Hotel „ČeskĂĄ Koruna“ Quartier bezogen wurde. Kurz darauf stieß unser tschechischer ReisefĂŒhrer Peter Kumpfe zu uns. Da es bis zum Abendessen noch etwas Zeit blieb, fĂŒhrte uns Peter, ein Deutschböhme und bekannter Radiomoderator des MDR, außerplanmĂ€ĂŸig zum unweit des Stadtzentrums gelegenen, in den letzten Jahren grundrenovierten Schloss der Familie von Thun.

Tetschen (Děčín)

Am darauffolgenden Montag fĂŒhrte uns die Reise bei schönstem SpĂ€tsommerwetter planmĂ€ĂŸig nach Leitmeritz (Litoměƙice), wo eine StadtfĂŒhrung stattfand.

Leitmeritz (Litoměƙice)

Danach ging es zum Schloss derer von Waldstein nach Dux (Duchcov), wo Ende des 18. Jahrhunderts der berĂŒhmte venezianische Frauenheld, Abenteurer und Schriftsteller Giacomo Casanova seine letzten Lebensjahre verbrachte und seine bis heute bekannten TagebĂŒcher niederschrieb.

Dux (Duchcov)

Den Tag beendeten wir mit einer Auffahrt mit dem Sessellift auf den 807 Meter hohen MĂŒckenberg, von wo sich ein faszinierender Blick auf das Umland bot.

MĂŒckentĂŒrmchen (Komáƙí vĂ­ĆŸka)

Am nĂ€chsten Tag fĂŒhrte uns Peter durch „Wallensteins Land“. So stand zunĂ€chst auf dem Programm der Besuch des Schlosses Friedland (FrĂœdlant), nach dem der einstige Generalissimus des 30-jĂ€hrgen Krieges, Albrecht von Wallenstein (von Waldstein), den Titel eines Herzogs von Friedland fĂŒhrte.

Friedland (FrĂœdlant)

Nach einer Mittagspause am prÀchtigen Ring von Reichenberg (Liberec), besichtigten wir ein weiteres Schloss, das sich einst im Besitz von Wallensteins befunden hat.

Reichenberg (Liberec)

Es war das unweit von Deutsch Gabel (JablonnĂ© v PodjeĆĄtědĂ­) gelegene Schloss in LĂ€mberg (Lemberk), das zuletzt der Familie Clam-Gallas gehörte und dessen RĂ€ume ĂŒberfĂŒllt sind mit ursprĂŒnglicher Inneneinrichtung aus verschiedenen Epochen der vergangenen vier Jahrhunderte.

LĂ€mberg (Lemberk)

Auf der RĂŒckreise ins Hotel fanden wir noch Zeit fĂŒr einen Halt an der prĂ€chtig ausgestatteten Basilika in Deutsch Gabel, in der die Reliquien der heiligen Zdislava von LĂ€mberg, der Schutzheiligen der Armen und Leidenden in Böhmen, verehrt werden.

Am Mittwoch verließen wir das Hotel in Tetschen und besuchten Schlösser und Burgen im „böhmischen Paradies“. ZunĂ€chst ging es nach Sichrow (Sychrov), zum Schloss der einst aus Frankreich nach Böhmen emigrierten Familie de Rohan. Das malerische Schloss mit seinen Elementen aus dem englischen Baustil dient hĂ€ufig als Kulisse fĂŒr zahlreiche Filmproduktionen, u.a. auch bei einem James-Bond-Film.

Sichrow (Sychrov)

Danach fuhren wir nach MĂŒnchengrĂ€tz (Mnichovo HradiĆĄtě), wo wir das im Originalzustand phantastisch ausgestattete Schloss besichtigten, das vom 17. bis zum 20. Jahrhundert der Familie von Waldstein gehörte. Unweit des Schlosses befindet sich heute die letzte RuhestĂ€tte des berĂŒhmtesten Sprosses der Familie, des bereits genannten Generalissimus Albrecht von Wallenstein/Waldstein.

MĂŒnchengrĂ€tz (Mnichovo HradiĆĄtě)

Nachmittags fuhren wir, gewissermaßen weiterhin auf Wallensteins Spuren, nach Jitschin (Jičín), der Residenzstadt des Herzogtums Friedland.

Jitschin (Jičín)

Am Abend bezogen wir unsere Zimmer im Hotel „U Beránka“ in Nachod (Náchod).

Am letzten Tag des August ging es in den Osten Böhmens, zuerst in eine der schönsten RenaissancestĂ€dte Tschechiens, nach Neustadt an der Mettau (NovĂ© Město nad MetujĂ­). Nach einer FĂŒhrung durch das, Anfang des 16. Jahrhunderts gegrĂŒndete und absolut bezaubernde StĂ€dtchen, konnten wir das am Rande des Marktplatzes gelegene und sich bis heute im Besitz der Familie Bartoƈ von DobenĂ­n befindende Schloss mit seiner ursprĂŒnglichen Innenausstattung besichtigen.

Neustadt an der Mettau (NovĂ© Město nad MetujĂ­)

 Die Mittagspause verbrachten wir im pulsierenden KöniggrĂ€tz (Hradec KrĂĄlovĂ©), von wo wir nachmittags in die mit dieser UniversitĂ€tsstadt konkurrierende Bezirkshauptstadt Pardubitz (Pardubice) fuhren. Auch hier besuchten wir das königliche Schloss, welches ein seltenes Beispiel des fließenden Übergangs eines Burgenbaus in eine Schlossanlage darstellt, und wo in drei RittersĂ€len noch Fragmente frĂŒherer Wandmalereien aus der FrĂŒhrenaissance zu sehen sind.

Pardubitz (Pardubice)

Auf der RĂŒckkehr zum Hotel machten wir noch Halt an verschiedenen DenkmĂ€lern des weitlĂ€ufigen GelĂ€ndes der Schlacht von KöniggrĂ€tz, in der im Jahre 1866 preußische Truppen die Armeen der Österreichisch-Ungarischen Monarchie besiegten, womit sie das einstige deutsche Kaiserhaus der Habsburger aus dem neuem Deutschem Reich der Preußen herausdrĂ€ngten.

Schlachtfeld von KöniggrÀtz (Hradec Krålové)

Wurden wir seit unserer Einreise nach Böhmen jeden Tag vom schönsten Sommerwetter verwöhnt, so schlug dieses in unserer letzten Nacht in Tschechien schlagartig um. Als wir am Freitagmorgen das Schloss in Nachod besuchten, waren Jacken, RegenmĂ€ntel und Regenschirme unerlĂ€ssliche Begleiter. Dennoch waren wir auch hier wieder ĂŒberwĂ€ltigt, sowohl von der Ă€ußeren Optik als auch ĂŒber die innere Ausstattung des sich bis zum Endes des Zweiten Weltkrieges im Besitz der Familie Schaumburg-Lippe befindenden Schlosskomplexes.

Nachod (NĂĄchod)

Dann verließen wir Böhmen und begaben uns, die Grafschaft Glatz und das Neißer Bistumsland durchquerend, nach Neustadt in Oberschlesien. In Neustadt/OS fand am Abend im Hotel „Oaza“ die traditionelle Wiedersehensfeier mit unseren Freunden, Vereinsmitgliedern aus Polen, VorstĂ€nden befreundeter Institutionen und Vereine und örtlichen Politikern statt. Zwar haben sich die Stadtvertreter von Neustadt/OS wegen eines anderweitigen Termins dieses Mal entschulden mĂŒssen, stattdessen kamen starke Abordnungen der Deutschen Freundschaftskreise aus Neustadt/OS, Oberglogau-Hinterdorf und zum ersten Mal auch aus Oberglogau-Weingasse zu unserem Fest. Die Feier wurde bereichert durch musikalische Darbietungen des Chors der Deutschen Minderheit aus Neudorf.

Die Reisegruppe

Am letzten Tag standen mehrere Termine gleichzeitig auf dem Programm. WĂ€hrend die meisten Teilnehmer der Reise vormittags durch Herbert Schindler, der mit Gattin privat nach Neustadt anreiste, durch „seine“ Stadt Neustadt gefĂŒhrt und fachkundig ĂŒber alle wichtigen Punkte und Gegebenheiten aufgeklĂ€rt wurden, begaben sich Ralph Wrobel und Andreas Smarzly nach Oberglogau. Hierhin wurde der Vereinsvorstand von unserem Vereinsfreund, dem oberglogauer Museumsdirektor Aleksander Devosges-Cuber eingeladen. Dieser hielt anlĂ€sslich eines Familientreffens von 65 Mitgliedern der Familie von Oppersdorff in Oberglogau, im dortigen Rathaus einen Vortrag ĂŒber das MĂ€zenatentum dieser Familie in den vergangenen Jahrhunderten. Wieder zurĂŒck in Neustadt/OS fĂŒhrte der Vorstand der HKKNOS, in Anwesenheit interessierter Vereinsmitglieder und Mitreisender, die offizielle Übergabe von AusstellungsstĂŒcken aus der aufgelösten NeustĂ€dter Heimatstube in Northeim an das Museum in Neustadt durch.

Im Museum des NeustÀdter Landes (v.l. Prof. R. Wrobel, A. Smarzly, Dr. W. Dominiak, R. Matulla, S. König, Museumsmitarbeiter, M. Gliese)

Besonders unsere beiden Mitglieder Sebastian König und Maik Gliese haben zu dieser feierlichen Übergabezeremonie beigetragen, indem sie neben zahlreichen Kartons mit verschiedensten Exponaten, vor allem den ĂŒber 300 kg schweren Grabstein des Pfarrers von Neustadt, Hermann J. HĂŒbner (+1934), aus Northeim nach Neustadt (zurĂŒck)transportiert haben. Sowohl der Vereinsvorsitzende Prof. Wrobel als auch der Direktor des Museums in Neustadt Dr. Dominiak zeigten sich in ihren Ansprachen glĂŒcklich ĂŒber die freundschaftliche und partnerschaftliche Zusammenarbeit der HKKNOS und des Museums in Neustadt in den letzten Jahren, welche gemeinsame Projekte und Aktionen wie diese ermöglichten. Diese Veranstaltung wurde von der lokalen Presse und dem Regionalfernsehen verfolgt, welche darĂŒber ausfĂŒhrlich berichteten (siehe Minuten 02.33-04.45:

http://tvprudnik.pl/35-tabs/tabs-aktualnosci/1081-wydarzenia-pogranicza-35.html).

Am Samstagnachmittag begab sich die Reisegruppe nach Oberglogau, wo Ralph Wrobel eine FĂŒhrung durch die historisch unglaublich interessante Stadt machte.  Danach begaben wir uns zu unserem letzten Programmpunkt wĂ€hrend dieser Studienfahrt, nĂ€mlich zum 25. Beethovenfestival in Oberglogau, zu dem wir ebenfalls von unserem Vereinsfreund und Veranstalter dieses traditionsreichen Festivals, Aleksander Devosges-Cuber, eingeladen worden waren. Im neurenoviertem großen Saal des Kulturhauses von Oberglogau wurden wir ĂŒber zwei Stunden lang vom bekannten Kammerorchester „Leopoldinum“ aus Breslau mit Serenaden und Pianokonzerten von Mozart, KarƂowicz und Dvoƙak verzĂŒckt.

Am Sonntag frĂŒh verließen wir Neustadt und unser Fahrer Rolf von „Osburg-Reisen“ brachte uns alle mit seinem modernen Reisebus zuverlĂ€ssig und pĂŒnktlich wieder zurĂŒck nach Hause.

Andreas M. Smarzly

Fotos: Ralph Wrobel

Bericht ĂŒber die 12. Studienfahrt „Von Krakau nach Neustadt/OS: Studienfahrt durch Kleinpolen und Oberschlesien“

Im JubilĂ€umsjahr des 30-jĂ€hrigen Bestehens der Historischen Kommission fĂŒhrte diese in den Tagen vom Sonntag, 30. August, bis Sonntag, 6. September 2015, ihre 12. Studienfahrt unter dem Motto: „Von Krakau nach Neustadt/OS: Studienfahrt durch Kleinpolen und Oberschlesien“, durch.

An der vom Prof. Ralph Wrobel, Andreas Smarzly, Rosmarie Matulla und Peter Mitschka organisierten Reise, nahmen insgesamt 32 Personen teil. Mit einem komfortablen Bus der Fa. Osburg, an dessen Steuer wieder unser erfahrener Fahrer Olav saß, ging es am Sonntag von Wadersloh, ĂŒber Kassel, Erfurt und Dresden nach Krakau. SpĂ€t abends kehrte die Reisegesellschaft im Hotel Royal, im Zentrum der alten polnischen Königstadt, ein.

Am Montag besichtigte die Gruppe zunĂ€chst das, unweit der polnischen Metropole gelegene Benediktinerkloster Tyniec, das vor rund neun TyniecJahrhunderten gegrĂŒndet wurde. Danach ging es ins Zentrum der ehemaligen königlichen Macht, auf den Wawel, wo neben dem Königsschloss auch die Kathedrale liegt, in der zahlreiche ehemalige polnische Herrscher ruhen. Nach einer gemĂŒtlichen Schifffahrt bei hochsommerlichen Temperaturen auf der Weichsel, fĂŒhrte uns die ortskundige StadtfĂŒhrerin Agnieszka Czarnecka an die sehenswertesten Orte der Krakauer Altstadt; die Marienkirche mit dem weltberĂŒhmten Altar von Veit Stoß, die Tuchhallen, den Marktplatz, dasKrakauWawel Collegium Maius, etc. Nach einem gemeinsamen Abendessen im Restaurant „Bohema“, genossen wir bis spĂ€t Nacht den Ausklang eines heißen Sommertages auf dem Krakauer Ring, der von KĂŒnstlern, Gauklern, HĂ€ndlern, Studenten, Reisenden aus aller Welt und anderen Liebhabern der Nacht bevölkert wurde.

Am nĂ€chsten Tag ging es tief ins Kleinpolen hinein. ZunĂ€chst besuchten wir die einstige galizische Metropole TarnĂłw (dt. Tarnau), die derart von EinflĂŒssen der einstigen KuK-Donaumonarchie geprĂ€gt wurde, dass man sie bis heute noch sehnsuchtsvoll als „Klein Wien“ bezeichnet. Neben dem Besuch des einzigartigen „EthnoTarnowgraphischen Museums“, in dem die Geschichte und Kultur der in Polen auch heute noch als „Cyganie/Zigeuner“ bezeichneten Völker (von denen in Polen vorwiegend die „Roma“ bekannt sind) vorgestellt wird, beeindruckte insbesondere der schöne Ring (Marktplatz) von TarnĂłw.

Von hier aus ging es nachmittags zu der grĂ¶ĂŸten Residenzfestung aus der Barockzeit in Polen, dem Schloss der Familie Lubomirski in Nowy Wiƛnicz. Neben alter Originaleinrichtung der Festung, fand sich hier auch eine wunderbare Deckenverkleidung, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem schlesischen Schloss FĂŒrstenstein hierher verbracht wurde. Den letzten Programmpunkt an diesem Tag bildete der Besuch einer SchrothNowyWisniczolzkirche aus dem 15. Jahrhundert in Lipnica Murowana, deren UrsprĂŒnge auf das 12. Jahrhundert zurĂŒck gehen und in welcher mittelalterliche Innenwandmalereien und AltĂ€re aus der Erbauungszeit bestaunt werden konnten. Danach folgte ein leckeres Abendessen im Restaurant „Piwnica pod kominkiem (Keller unterm Kamin)“ und ein gemĂŒtlicher Abend auf dem pulsierenden Marktplatz von Krakau bei Bier und anderen Leckereien.

Am Mittwoch brachen wir zuerst in die Zips auf, eine Region im Norden der Slowakei und im SĂŒden Kleinpolens, die bis in die 1920er Jahre zum Königreich Ungarn gehörte. Auf der Burg in Niedzica (dt. Netzdorf), die einst als NiedzicaGrenzfestung des magyarischen Königreiches gegen Polen funktionierte, wandelten wir auf Spuren alter ungarischer Landgrafengeschlechter, einer bis in die 30er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts leibeigenen Landbevölkerung, sowie des Zipser „Robin Hood“ JĂĄnoĆĄĂ­k, eines slowakischen Nationalhelden, der im 17. Jahrhundert „den Reichen nahm und den Armen gab“. Dem folgte ein Spaziergang auf dem unweit gelegenen Staudamm am Czorsztyn-Stausee, im malerischen Panorama der Beskiden. Danach ging es in das Salzbergwerk Wieliczka (dt. Groß Salze) in der NĂ€he von Krakau (seit 1978 in die Weltkulturerbe der UNESCO), wo eine Salzsiederei aus der Zeit von ca. 3.500 Jahre vor Christus nachweisbar ist und wo seit der Mitte des 13. Jahrhunderts Salz unterirdisch abgebaut wird. Dementsprechend ging es mehrere hundert Meter unter die Erde, wo unendliche, labyrinthartige GĂ€nge immer wieder von riesigen unterirdischen SĂ€len unterbrochen werden, in denen wundersame, im Salz gehauene Skulpturen und Kunstwerke die Besucher regelrecht ins Staunen versetzen. Den Tag beendeten wir beim gemeinsamen Abendessen im „Restaurant „Goƛciniec FloriaƄski” in der Altstadt von Krakau.

Tags darauf verließen wir das Hotel Royal, Krakau und Kleinpolen und begaben uns nach Schlesien. Unterwegs besichtigten wir die noch in Kleinpolen liegende Kalwaria Zebrzydowska, wo seit 1600 auf dem Berg Zarek eine kleine Heilig-Kreuz-Kirche nach dem Vorbild der Golgota-Kapelle zu Jerusalem und weitere vom Heiligen Land inspirierte Objekte (Golgatha, Ölberg, Fluss Cedron und 40 malerisch auf den umliegenden HĂŒgeln und im Cedron-Tal verstreut liegende Kapellen) zahlreiche Besucher und Wallfahrer anlocken. Weiter ging es am Geburtshaus vom Papst Johannes Paul II. in Wadowice vorbei nach Bielitz-Biala. Die heutige Doppelstadt bilden die zwei einst in verschiedenen LĂ€ndern liegende GrenzstĂ€dte Bielitz und Biala, die vom Grenzfluss Bialka und der Reichgrenze voneinander getrennt waren. Überhaupt ĂŒberquerten wir an diesem Tag zahlreiche regionale und historische Grenzen, wie die Grenze zwischen Kleinpolen und Schlesien, Galizien und Österreichisch-Schlesien, die Abstimmungsgrenze von 1921, die Grenze zwischen Deutschland und Polen (1922-1939), Preußen und Österreich-Ungarn (1772-1918) oder Römisch-Deutsches-Kaiserreich und Königreich Polen (bis 1772). Gerade als Reisender wird man sich angesichts all dieser Grenzen und der mit ihnen verbundenen Behinderungen jeder Reise, der Großartigkeit der Idee einer grenzfreien EuropĂ€ischen Union bewusst! In Bielitz-Biala besichtigten wir neben der Altstadt mit dem Ring und der Pfarrkirche, das neu renovierte Schloss der FĂŒrsten SuƂ­kowski in Bielitz, einer prĂ€chtigen Adels­residenz aus dem 19. Jahrhundert, in der jedoch auch noch Spuren der mittelalterlichen Burg der Herzöge von Teschen sichtbar sind. Von Bielitz-Biala aus ging es nachmittags weiter nach Tichau. Hier besichtigten wir die einstige fĂŒrstliche Brauerei und das moderne Brauereimuseum, in dem die Geschichte der seit 1629 funktionierenden Brauerei auf sehr zeitgemĂ€ĂŸe und anschauliche Art, die sowohl Jung als auch Alt anspricht, prĂ€Tichausentiert wird. Krönung des Brauereibesuches war die Bierverkostung, bei der jeder Reiseteilnehmer einen halben Liter des leckeren und inzwischen weltweit erhĂ€ltlichen „Tyskie“-Bieres genießen konnte. Von Tichau aus ging es direkt in die Heimat, nach Neustadt/OS, wo wir wieder im Hotel Oaza ĂŒbernachteten.

Am darauffolgenden Freitag begaben sich einige Reiseteilnehmer auf Privatfahrten in ihre Heimatdörfer oder zu Verwandten und Freunden. Die anderen Teilnehmer besichtigten wĂ€hrenddessen am Vormittag gemeinsam das Kriegsgefangenenlager im Lamsdorf, wo Kriegsgefangene des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/1871, des Ersten Welt­krieges (1914/18), des Zweiten Welt­krieges (1939/45) und der Nachkriegszeit (1945/46) eingesperrt waren. Rund 50.000 GrĂ€ber im Lager Verstorbener und Getöteter zeugen vom Ausmaß dieses bedrĂŒckenden Ortes und von den dunkelsten Zeiten der jĂŒngeren Geschichte Mitteleuropas. Hier wurde auch das moderne „Zentrale Museum der Kriegsgefangenen in Lamsdorf und Oppeln“ besichtigt, in dem neben den Ausstellungen und Informationen zu der Zeit 1870-1945, seit kurzem auch eine neue Sonderausstellung zu den Geschehnissen der Nachkriegszeit, in der hier deutsche Zivilisten von polnischen Behörden eingesperrt und in großer Zahl umgebracht wurden, gezeigt wird. Von Lamsdorf aus ging es zurĂŒck nach Neustadt/OS, wo unser ortsansĂ€ssiger Vereinskollege Marcin Domino uns durch die neurenovierte Villa des Industriellen, Diplomaten, MĂ€zens und persischen Konsuls, Hermann FrĂ€nkel (*1844+1901), fĂŒhrte. Am Nachmittag begann dann im Hotel Oaza die schon traditionelle Wiedersehensfeier, zu der die Historische Kommission geladen hatte. Es erschienen zahlreiche in Polen wohnende Mitglieder unseres Vereins, ReprĂ€sentanten der einheimischen deutschen Bevölkerung Schlesiens, Vertreter der StĂ€dte und Gemeinden des Kreises Neustadt, VorstĂ€nde befreundeter Institutionen und Vereine, sowie viele andere alte und neue Freunde und Bekannte. Es folgte eine schöne Feier, die vom Chor der Deutschen Minderheit aus Neudorf musikalisch untermalt wurde.

Am letzten Reisetag fuhr unsere Reisegesellschaft in Richtung Cosel. Unterwegs wurde zunĂ€chst die in der NĂ€he von Kostenthal liegende Schrotholzkirche St. Brixen aus dem 17. Jahrhundert besichtigt. Der ortsansĂ€ssige Herr Gorzalla stellte uns dabei die Feld- und Wallfahrtskirche vor, die an Stelle einer wundertĂ€tigen Quelle errichtet-, und deren VorgĂ€ngerbau bereits 1594 urkundlich erwĂ€hnt wurde. Weiter ging die Fahrt nach Klodnitz, wo wir im dortigen Binnenhafen das Schiff „Silesia“ bestiegen und bei angenehmen GleiwitzKanalsommerlichen Temperaturen eine ca. dreistĂŒndige Schifffahrt auf dem Gleiwitzer Kanal unternahmen. WĂ€hrend dieser Fahrt passierten wir drei Schleusen, an denen wir einen Höhenunterschied von ĂŒber 20 Meter bewĂ€ltigten, sowie den sog. „Siphon“, an dem das FlĂŒsschen Klodnitz den Gleiwitzer Kanal unterirdisch quert. Nach StĂ€rkung mit leckeren GrillwĂŒrstchen, Krupniauki (Schlesische Graupenwurst) und kĂŒhlem Bier, verließen wir das Schiff bei Plawniowitz, wo und bereits Pfarrer Dr. Christian Worbs erwartete. Er fĂŒhrte uns durch das beeindruckende, in den letzten beiden Jahrzehnten vorbildlich instPlawniowitzandgesetzte Schloss der Grafen von Bellestrem. Nach der Besichtigung konnten die Reiseteilnehmer ihre ReiseeindrĂŒcke der letzten Tage bei entspannten SpaziergĂ€ngen im schönen Schlosspark nochmal Revue passieren lassen. Den Abschluss dieser 12. Studienfahrt bildete ein gemeinsames Abendessen in der originalrenovierten und geschmack- und stillvoll eingerichteten Villa in WiegschĂŒtz bei Cosel, die der Handelsrat und Philosoph Marc Heymann im Jahre 1871 erbaute.WiegschuetzAm Sonntag nach dem FrĂŒhstĂŒck verließen wir Schlesien mit dem Versprechen wieder zu kommen. Damit ging die 12. Studienfahrt, bei der der Wettergott unser Programm besonders berĂŒcksichtigte (Regen nur wĂ€hrend des Besuches im Salzbergwerk Wieliczka, im Kriegsgefangenenlager Lamsdorf und wĂ€hrend der RĂŒckreise, ansonsten schönstes Sommerwetter), mit Hinterlassung von zahlreichen Impressionen und EindrĂŒcken erfolgreich zu Ende.

Text: Andreas Smarzly
Fotos: Ralph Wrobel

Blaschewitz (Kreis Neustadt OS) – Geschichte eines oberschlesischen Dorfes

Der 8. Band der Landeskundlichen Schriftenreihe:

Landeskundliche Schriftenreihe, Band 8

Andreas M. Smarzly

Blaschewitz (Kreis Neustadt OS) – Geschichte eines oberschlesischen Dorfes

Blazejowice Dolne (powiat prudnicki) – Historia gĂłrnoslaskiej wioski

Herausgeber: Historische Kommission fĂŒr den Kreis Neustadt/Oberschlesien e.V.

Senfkorn Verlag Görlitz 2014

403 Seiten / stron

Hartcover, 15 x 21 cm,

Zweisprachig / w jezyku polskim i niemieckim

Preis 10,00 EUR + Versandkosten

Cenia 40,00 Zl. + koszty przesylki

Dieses Buch ist ausverkauft.

 

Vortragsreihe in Oberschlesien vom 15.-19. Juni 2014

Im MĂ€rz 2014 hat die HKKNOS die neue „Go East“-Strategie beschlossen, die einen noch intensiveren Ausbau der Zusammenarbeit mit den in Schlesien sich entwickelnden Initiativen zur Erforschung der Lokal- und Regionalgeschichte des Kreises Neustadt vorsieht. Im Rahmen dieser Strategie wurde vom 15. bis 19. Juni 2014 in unserem Heimatkreis eine Reihe von Veranstaltungen, VortrĂ€gen und BuchprĂ€sentationen durchgefĂŒhrt. DafĂŒr reisten der gesamte Vorstand und mehrere Mitglieder der HKKNOS (Prof. Dr. Ralph Wrobel, Andreas Smarzly, Rosemarie und Werner Matulla, Dr. Joachim Himanek, Renate und Herbert Schindler und Sebastian König mit Familie) aus Deutschland nach Schlesien.

PrÀsentation in Blaschewitz (Landrat Roszkowski, Wrobel, Zgorzelska, Smarzly, Vizelandrat Skiba)
PrÀsentation in Blaschewitz (Smarzly)
PrÀsentation in Blaschewitz Auftritt der Kinder
Blaschewitz, Autogrammstunde (Smarzly, Roszkowski, Skiba)
PrĂ€sentation in PechhĂŒtte (Hellfeier, Podobinski )
PrĂ€sentation in PechhĂŒtte (Himanek und Wrobel)
PrĂ€sentation in PechhĂŒtte (Wrobel, Hellfeier, Goreczka, Smarzly, Himanek)

weitere Informationen

Bericht zur Vortragsreihe in Oberschlesien (PDF-File)

Presse

Schlesien heute (8/2014)