13. Studienfahrt „Schlösser und GĂ€rten im nördlichen Böhmen“

In der Woche vom 27. August bis 3. September 2017 fĂŒhrte die Historische Kommission fĂŒr den Kreis Neustadt/OS (HKKNOS) ihre 13. Studienfahrt, unter dem Motto „Schlösser und GĂ€rten im nördlichen Böhmen“, durch. Dieses Jahr besuchten die 23 Teilnehmer der Reise die mit Schlesien benachbarte Grenzregion im nördlichen Tschechien.

Die in Wadersloh, Erfurt und Dresden zugestiegen Reisenden erreichten bereits am spĂ€ten Nachmittag des ersten Tages Tetschen (Děčín), wo fĂŒr die nĂ€chsten drei NĂ€chte im Hotel „ČeskĂĄ Koruna“ Quartier bezogen wurde. Kurz darauf stieß unser tschechischer ReisefĂŒhrer Peter Kumpfe zu uns. Da es bis zum Abendessen noch etwas Zeit blieb, fĂŒhrte uns Peter, ein Deutschböhme und bekannter Radiomoderator des MDR, außerplanmĂ€ĂŸig zum unweit des Stadtzentrums gelegenen, in den letzten Jahren grundrenovierten Schloss der Familie von Thun.

Tetschen (Děčín)

Am darauffolgenden Montag fĂŒhrte uns die Reise bei schönstem SpĂ€tsommerwetter planmĂ€ĂŸig nach Leitmeritz (Litoměƙice), wo eine StadtfĂŒhrung stattfand.

Leitmeritz (Litoměƙice)

Danach ging es zum Schloss derer von Waldstein nach Dux (Duchcov), wo Ende des 18. Jahrhunderts der berĂŒhmte venezianische Frauenheld, Abenteurer und Schriftsteller Giacomo Casanova seine letzten Lebensjahre verbrachte und seine bis heute bekannten TagebĂŒcher niederschrieb.

Dux (Duchcov)

Den Tag beendeten wir mit einer Auffahrt mit dem Sessellift auf den 807 Meter hohen MĂŒckenberg, von wo sich ein faszinierender Blick auf das Umland bot.

MĂŒckentĂŒrmchen (Komáƙí vĂ­ĆŸka)

Am nĂ€chsten Tag fĂŒhrte uns Peter durch „Wallensteins Land“. So stand zunĂ€chst auf dem Programm der Besuch des Schlosses Friedland (FrĂœdlant), nach dem der einstige Generalissimus des 30-jĂ€hrgen Krieges, Albrecht von Wallenstein (von Waldstein), den Titel eines Herzogs von Friedland fĂŒhrte.

Friedland (FrĂœdlant)

Nach einer Mittagspause am prÀchtigen Ring von Reichenberg (Liberec), besichtigten wir ein weiteres Schloss, das sich einst im Besitz von Wallensteins befunden hat.

Reichenberg (Liberec)

Es war das unweit von Deutsch Gabel (JablonnĂ© v PodjeĆĄtědĂ­) gelegene Schloss in LĂ€mberg (Lemberk), das zuletzt der Familie Clam-Gallas gehörte und dessen RĂ€ume ĂŒberfĂŒllt sind mit ursprĂŒnglicher Inneneinrichtung aus verschiedenen Epochen der vergangenen vier Jahrhunderte.

LĂ€mberg (Lemberk)

Auf der RĂŒckreise ins Hotel fanden wir noch Zeit fĂŒr einen Halt an der prĂ€chtig ausgestatteten Basilika in Deutsch Gabel, in der die Reliquien der heiligen Zdislava von LĂ€mberg, der Schutzheiligen der Armen und Leidenden in Böhmen, verehrt werden.

Am Mittwoch verließen wir das Hotel in Tetschen und besuchten Schlösser und Burgen im „böhmischen Paradies“. ZunĂ€chst ging es nach Sichrow (Sychrov), zum Schloss der einst aus Frankreich nach Böhmen emigrierten Familie de Rohan. Das malerische Schloss mit seinen Elementen aus dem englischen Baustil dient hĂ€ufig als Kulisse fĂŒr zahlreiche Filmproduktionen, u.a. auch bei einem James-Bond-Film.

Sichrow (Sychrov)

Danach fuhren wir nach MĂŒnchengrĂ€tz (Mnichovo HradiĆĄtě), wo wir das im Originalzustand phantastisch ausgestattete Schloss besichtigten, das vom 17. bis zum 20. Jahrhundert der Familie von Waldstein gehörte. Unweit des Schlosses befindet sich heute die letzte RuhestĂ€tte des berĂŒhmtesten Sprosses der Familie, des bereits genannten Generalissimus Albrecht von Wallenstein/Waldstein.

MĂŒnchengrĂ€tz (Mnichovo HradiĆĄtě)

Nachmittags fuhren wir, gewissermaßen weiterhin auf Wallensteins Spuren, nach Jitschin (Jičín), der Residenzstadt des Herzogtums Friedland.

Jitschin (Jičín)

Am Abend bezogen wir unsere Zimmer im Hotel „U Beránka“ in Nachod (Náchod).

Am letzten Tag des August ging es in den Osten Böhmens, zuerst in eine der schönsten RenaissancestĂ€dte Tschechiens, nach Neustadt an der Mettau (NovĂ© Město nad MetujĂ­). Nach einer FĂŒhrung durch das, Anfang des 16. Jahrhunderts gegrĂŒndete und absolut bezaubernde StĂ€dtchen, konnten wir das am Rande des Marktplatzes gelegene und sich bis heute im Besitz der Familie Bartoƈ von DobenĂ­n befindende Schloss mit seiner ursprĂŒnglichen Innenausstattung besichtigen.

Neustadt an der Mettau (NovĂ© Město nad MetujĂ­)

 Die Mittagspause verbrachten wir im pulsierenden KöniggrĂ€tz (Hradec KrĂĄlovĂ©), von wo wir nachmittags in die mit dieser UniversitĂ€tsstadt konkurrierende Bezirkshauptstadt Pardubitz (Pardubice) fuhren. Auch hier besuchten wir das königliche Schloss, welches ein seltenes Beispiel des fließenden Übergangs eines Burgenbaus in eine Schlossanlage darstellt, und wo in drei RittersĂ€len noch Fragmente frĂŒherer Wandmalereien aus der FrĂŒhrenaissance zu sehen sind.

Pardubitz (Pardubice)

Auf der RĂŒckkehr zum Hotel machten wir noch Halt an verschiedenen DenkmĂ€lern des weitlĂ€ufigen GelĂ€ndes der Schlacht von KöniggrĂ€tz, in der im Jahre 1866 preußische Truppen die Armeen der Österreichisch-Ungarischen Monarchie besiegten, womit sie das einstige deutsche Kaiserhaus der Habsburger aus dem neuem Deutschem Reich der Preußen herausdrĂ€ngten.

Schlachtfeld von KöniggrÀtz (Hradec Krålové)

Wurden wir seit unserer Einreise nach Böhmen jeden Tag vom schönsten Sommerwetter verwöhnt, so schlug dieses in unserer letzten Nacht in Tschechien schlagartig um. Als wir am Freitagmorgen das Schloss in Nachod besuchten, waren Jacken, RegenmĂ€ntel und Regenschirme unerlĂ€ssliche Begleiter. Dennoch waren wir auch hier wieder ĂŒberwĂ€ltigt, sowohl von der Ă€ußeren Optik als auch ĂŒber die innere Ausstattung des sich bis zum Endes des Zweiten Weltkrieges im Besitz der Familie Schaumburg-Lippe befindenden Schlosskomplexes.

Nachod (NĂĄchod)

Dann verließen wir Böhmen und begaben uns, die Grafschaft Glatz und das Neißer Bistumsland durchquerend, nach Neustadt in Oberschlesien. In Neustadt/OS fand am Abend im Hotel „Oaza“ die traditionelle Wiedersehensfeier mit unseren Freunden, Vereinsmitgliedern aus Polen, VorstĂ€nden befreundeter Institutionen und Vereine und örtlichen Politikern statt. Zwar haben sich die Stadtvertreter von Neustadt/OS wegen eines anderweitigen Termins dieses Mal entschulden mĂŒssen, stattdessen kamen starke Abordnungen der Deutschen Freundschaftskreise aus Neustadt/OS, Oberglogau-Hinterdorf und zum ersten Mal auch aus Oberglogau-Weingasse zu unserem Fest. Die Feier wurde bereichert durch musikalische Darbietungen des Chors der Deutschen Minderheit aus Neudorf.

Die Reisegruppe

Am letzten Tag standen mehrere Termine gleichzeitig auf dem Programm. WĂ€hrend die meisten Teilnehmer der Reise vormittags durch Herbert Schindler, der mit Gattin privat nach Neustadt anreiste, durch „seine“ Stadt Neustadt gefĂŒhrt und fachkundig ĂŒber alle wichtigen Punkte und Gegebenheiten aufgeklĂ€rt wurden, begaben sich Ralph Wrobel und Andreas Smarzly nach Oberglogau. Hierhin wurde der Vereinsvorstand von unserem Vereinsfreund, dem oberglogauer Museumsdirektor Aleksander Devosges-Cuber eingeladen. Dieser hielt anlĂ€sslich eines Familientreffens von 65 Mitgliedern der Familie von Oppersdorff in Oberglogau, im dortigen Rathaus einen Vortrag ĂŒber das MĂ€zenatentum dieser Familie in den vergangenen Jahrhunderten. Wieder zurĂŒck in Neustadt/OS fĂŒhrte der Vorstand der HKKNOS, in Anwesenheit interessierter Vereinsmitglieder und Mitreisender, die offizielle Übergabe von AusstellungsstĂŒcken aus der aufgelösten NeustĂ€dter Heimatstube in Northeim an das Museum in Neustadt durch.

Im Museum des NeustÀdter Landes (v.l. Prof. R. Wrobel, A. Smarzly, Dr. W. Dominiak, R. Matulla, S. König, Museumsmitarbeiter, M. Gliese)

Besonders unsere beiden Mitglieder Sebastian König und Maik Gliese haben zu dieser feierlichen Übergabezeremonie beigetragen, indem sie neben zahlreichen Kartons mit verschiedensten Exponaten, vor allem den ĂŒber 300 kg schweren Grabstein des Pfarrers von Neustadt, Hermann J. HĂŒbner (+1934), aus Northeim nach Neustadt (zurĂŒck)transportiert haben. Sowohl der Vereinsvorsitzende Prof. Wrobel als auch der Direktor des Museums in Neustadt Dr. Dominiak zeigten sich in ihren Ansprachen glĂŒcklich ĂŒber die freundschaftliche und partnerschaftliche Zusammenarbeit der HKKNOS und des Museums in Neustadt in den letzten Jahren, welche gemeinsame Projekte und Aktionen wie diese ermöglichten. Diese Veranstaltung wurde von der lokalen Presse und dem Regionalfernsehen verfolgt, welche darĂŒber ausfĂŒhrlich berichteten (siehe Minuten 02.33-04.45:

http://tvprudnik.pl/35-tabs/tabs-aktualnosci/1081-wydarzenia-pogranicza-35.html).

Am Samstagnachmittag begab sich die Reisegruppe nach Oberglogau, wo Ralph Wrobel eine FĂŒhrung durch die historisch unglaublich interessante Stadt machte.  Danach begaben wir uns zu unserem letzten Programmpunkt wĂ€hrend dieser Studienfahrt, nĂ€mlich zum 25. Beethovenfestival in Oberglogau, zu dem wir ebenfalls von unserem Vereinsfreund und Veranstalter dieses traditionsreichen Festivals, Aleksander Devosges-Cuber, eingeladen worden waren. Im neurenoviertem großen Saal des Kulturhauses von Oberglogau wurden wir ĂŒber zwei Stunden lang vom bekannten Kammerorchester „Leopoldinum“ aus Breslau mit Serenaden und Pianokonzerten von Mozart, KarƂowicz und Dvoƙak verzĂŒckt.

Am Sonntag frĂŒh verließen wir Neustadt und unser Fahrer Rolf von „Osburg-Reisen“ brachte uns alle mit seinem modernen Reisebus zuverlĂ€ssig und pĂŒnktlich wieder zurĂŒck nach Hause.

Andreas M. Smarzly

Fotos: Ralph Wrobel

Einladung zur 13. Studienfahrt: Schlösser und GÀrten im nördlichen Böhmen

Inklusive Teilnahme am 25. Beethoven-Festival
in Oberglogau, Kreis Neustadt/OS

 

27.08. – 3.09.2017

Programmentwurf (Stand 20. MĂ€rz 2017)

zum Herunterladen als PDF: 2017 – Programmentwurf – MĂ€rz 17

 

Sonntag, 27.08.2017 – Anreise nach Böhmen

Anreise mit dem Bus von Wadersloh (6:00) ĂŒber Kassel – Bhf. Wilhelmshöhe (7:45), Erfurt Hbf. (10:45) und Dresden (14:30) nach Tetschen (Děčín), unterwegs Kaffeepause mit Besichtigung der Burgruine Schreckenstein (Hrad Stƙekov) bei Aussig (ÚstĂ­ nad Labem), dann Zimmerbezug im Hotel ČeskĂĄ Koruna, kleiner Rundgang zum Rosengarten und Schloss, gemeinsames Abendessen im Hotel.

 

Montag, 28.08.2017 – An der Elbe durch Böhmen

Ausflug nach Leitmeritz (Litoměƙice), StadtfĂŒhrung und Mittagspause, danach Ausflug zum Casanova-Schloss in Dux (Duchcov), Besichtigung des Schlossmuseums, weiter mit dem Sessellift zum MĂŒckentĂŒrmchen (Komáƙí vĂ­ĆŸka), dort Kaffeepause mit Rundblick, RĂŒckfahrt nach Tetschen (Děčín), gem. Abendessen im Hotel.

 

Dienstag, 29.08.2017 – Durch Wallensteins Land

Ausflug zum Schloss Friedland (FrĂœdlant), Schlossbesichtigung, Weiterfahrt nach Reichenberg (Liberec), dort Mittagspause, anschl. weiter zum Schloss LĂ€mberg (Lemberk), Schlossbesichtigung, RĂŒckfahrt nach Tetschen (Děčín), gem. Abendessen im Hotel.

 

Mittwoch, 30.8.2017 – Schlösser und Burgen im böhmischen Paradies
Wechsel des Hotels, Fahrt nach Sichrow (Sychrov), Schlossbesichtigung, Mittagspause mit WĂŒrstchen, Weiterfahrt nach MĂŒnchengrĂ€tz (Mnichovo HradiĆĄtě), Besichtigung des Barockschlosses, Weiterfahrt – vorbei an der Burg Trosky – nach Jitschin (Jičín), kurze Stadtbesichtigung (Ring, Wallenstein-Schloss), gem. Abendessen, dann Weiterfahrt nach Nachod (NĂĄchod), dort Zimmerbezug im Hotel U BerĂĄnka.
Hotel U BerĂĄnka

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Historischer Rundbrief 2017/1

Anbei der aktuelle Historische Rundbrief: Historischer Rundbrief 2017/1

Wir laden herzlich ein zur:

  •  Jahreshauptversammlung und Seminar „Zukunft der Schlesienforschung“ am 18/19. MĂ€rz 2017 in Northeim und zur
  • 13. Studienfahrt “Schlösser und GĂ€rten im nördlichen Böhmen” von 27.08. bis. 03.09.2017!

 

 

Veranstaltungswoche der HKKNOS im Mai 2016 in Oberschlesien

In der Woche vom 22. bis 28. Mai 2016 fĂŒhrte die HKKNOS in Oberschlesien Forschungsarbeiten in Archiven und mehrere Veranstaltungen durch. Am Sonntagabend, dem 22.05.16, trafen mehrere Mitglieder der HKKNOS (Peter Ernst, Maik Gliese, Sebastian König, Monika Rose, Wolfgang Schiller, Andreas Smarzly, Manfred Weiss und Prof. Ralph Wrobel) im Hotel Piast in Oppeln ein. Zusammen mit den, außerhalb von Oppeln ĂŒbernachtenden, GĂŒnter Hauptstock mit Gattin und Robert Hellfeier mit Gattin, forschten alle Mitglieder der HKKNOS von Montag bis Mittwoch im Staatsarchiv Oppeln. Dabei konnten dank des zuvorkommenden Entgegenkommens der Leitung und der Mitarbeiter/innen des Staatsarchives, sowie des enormen Arbeitseinsatzes der Angereisten, vor allem die u.g. BestĂ€nde untersucht und zum großen Teil kopiert/fotografiert werden: FĂŒrstentum Oppeln-Ratibor, Evg. Pfarrei Neustadt, Kath. Pfarrei Steubendorf, Regierung Oppeln, Amtsgericht Oberglogau, Amtsgericht Ziegenhals, AmtsgerichtCosel, Amtsgericht Krappitz, Amtsgericht Ottmachau, Amtsgericht Gnadenfeld, Amtsgericht Neustadt, Landratsamt Neustadt, Katasteramt Krappitz, Katasteramt Neustadt, Standesamt Oberglogau, Standesamt GlĂ€sen, Standesamt Königsdorf, Standesamt Pommerswitz, Standesamt Neustadt, Standesamt Deutsch Rasselwitz, Standesamt Stiebendorf und Standesamt Steubendorf.

01 Arbeit im Archiv 1 (2)01 Arbeit im Archiv 1 (3)

01 Arbeit im Archiv 1 (1)
Im StaA Oppeln

An beiden Standorten des Archives, im Stadtzentrum und in der
Außenstelle in Groschowitz, konnten so mehrere Dutzend Meter Akten durchgesehen und mehrere Terrabyte Kopien angefertigt werden, die nun ihrer genauen Auswertung und Untersuchung entgegen sehen.

WĂ€hrend die o.g. Mitglieder die Forschungsarbeit im Archiv durchfĂŒhrten, haben die ebenfalls angereisten Mitglieder Rosemarie und Werner Matulla, sowie Herbert und Renate Schindler u.a. dem DFK in Neustadt/OS bei ihrem wöchentlichen Treffen am Montag, 23.05.16 einen Freundschaftsbesuch abgestattet. Bei Kaffee und Kuchen haben sie sich mit den anwesenden Mitgliedern des örtlichen DFK ĂŒber ihre Belange unterhalten können, insbesondere stand wieder im Mittelpunkt der anstehende Eichendorff-Wettbewerb, der wieder unter der Leitung von Frau Friedel Dams-Mokrska stattfinden wird. Mit dem Museumsdirektor Dr. Dominiak fĂŒhrten Herbert Schindler, sowie Werner und Rosemarie Matulla ein Interview, in dem Herr Dr. Dominiak die einstigen NeustĂ€dter ĂŒber ihre Erlebnisse am Ende des Krieges bzw. die Getto-Zeit und die Zeit danach befragte. Er hat ein Buch ĂŒber diese Zeit in Planung und braucht dafĂŒr insbesondere auch Informationen von Zeitzeugen.

Am Dienstag, den 24. Mai, besuchten mehrere Mitglieder das Seminar „Wirtschafts- und Sozialgeschichte Oberschlesiens: aktuelle Forschungsergebnisse“ an der UniversitĂ€t Oppeln. Mai 2016 (4)Mai 2016 (5)An diesem Seminar, welches unser Vereinsvorsitzender gemeinsam mit der Wirtschaftswissenschaftlichen FakultĂ€t an der UniversitĂ€t Oppeln als Vertreter der WestsĂ€chsischen Hochschule in Zwickau organisierte, hielt Prof. Ralph Wrobel auch einen Vortrag zum Thema: „LĂ€ndliche Unterschichten im Oberschlesien des 18. Jahrhundert: Das Beispiel Leschnig, Kreis Neustadt/OS“. Insgesamt wurden sechs VortrĂ€ge, von deutschen und polnischen Forschern gehalten. Weitere gemeinsame Projekte sind hier fĂŒr 2017 geplant.

Nach Abschluss der Forschungsarbeiten in Oppeln, begaben sich am Mittwoch, dem 25. Mai, alle in Schlesien verweilenden Mitglieder der HKKNOS nach Oberglogau, wo unser Vereinsfreund und Direktor des StĂ€dtischen Museums in Oberglogau, Alexander Devosges-Cuber, gemeinsam mit dem zweiten Vorsitzenden der HKKNOS, Andreas Smarzly, eine Veranstaltung organsierte, an welcher der eben erst frisch gedruckte 9. Band der Landeskundlichen Schriftenreihe der HKKNOS mit dem Titel „Der Altkreis Oberglogau im Karolinischen Steuerkataster von 1722/26“, der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die Buchvorstellung in den originell renovierten RĂ€umen des uralten Stockhausturmes von Oberglogau, in denen sich neben den angereisten- und vor Ort wohnenden Mitgliedern der HKKNOS auch zahlreiche Interessierte aus nah und fern einfanden, leitete GĂŒnter Hauptstock mit dem Vortrag „Oberglogauer Juden wĂ€hrend der nationalsozialistischen Zeit“ ein. Es handelte sich hier um die Vorstellung einer bisher kaum erforschten Thematik, die der Vortragende in einem ausfĂŒhrlich recherchierten Aufsatz in seinem kĂŒrzlich erschienenen Buch „BeitrĂ€ge zur Geschichte der Stadt Oberglogau IV“ erstmals prĂ€sentierte.

Diesem Vortrag folgte zunĂ€chst die Vorstellung der Historischen Kommission durch deren ersten Vorsitzenden. Prof. Dr. Ralph Wrobel prĂ€sentierte dabei den Teilnehmern der Veranstaltung die ĂŒber 30-jĂ€hrige Geschichte der HKKNOS, deren Leistungen, Erfolge, Errungenschaften, die aktuellen Projekte, sowie kĂŒnftigen Ziele und Vorhaben. Er rief alle an der Geschichte dieser Region Interessierten zur Zusammenarbeit mit der Historischen Kommission auf. Daraufhin kam er zum eigentlichen Punkt der Veranstaltung und stellte zunĂ€chst die Entstehung der durch Kaiser Karl VI. befohlenen Erstellung des sog. „Karolinischen Katasters“ vor. Er beleuchtete den Inhalt des Katasters und hob hervor, dass dieses eine einzigartige PrimĂ€rquelle fĂŒr die Wirtschafts-, Sozial- und Familiengeschichte Schlesiens in der Zeit nach dem DreißigjĂ€hrigen Krieg darstellt. Die Besonderheit dieser Quelle ist auch die Hauptursache dafĂŒr gewesen, dass zehn Mitglieder der HKKNOS ĂŒber zwölf Jahre lang beharrlich und entschlossen an der Entzifferung, der Erstellung von geschichtlichen EinfĂŒhrungen und OrtsĂŒbersichten, den Verzeichnissen und einem prĂ€zisen Fußnotenapparat, arbeiteten. Das 605 Seiten starke Ergebnis eines gewaltigen Zeit- und Arbeitsaufwandes prĂ€sentierte Prof. Wrobel daher auch mit einigem Stolz vor dem versammelten Publikum. Dieses Buch kann ab sofort beim Vorstand der HKKNOS zum Preis von 10 € oder 40 PLN (plus Versandkosten) bestellt werden.

Mai 2016 (6)

Mai 2016 (7)Weitere Fotos zur BuchprÀsentation in Oberglogau siehe hier.

Die Veranstaltungswoche der HKKNOS in Oberschlesien krönte der „Historische Nachmittag“ am Donnerstag, den 26. Mai 2016, in Körnitz, den der zweite Vorsitzende Andreas Smarzly mit einer Schar engagierter Helfer im Namen der Historischen Kommission organisierte und durchfĂŒhrte.
Nach der BegrĂŒĂŸung der Veranstalter und aller GĂ€ste in Körnitz durch den Ortsvorsteher Tomala, eröffneten Andreas Smarzly und Andrea Marx in der gerĂ€umigen Sporthalle der Körnitzer Schule, in der sich weit ĂŒber zweihundert GĂ€ste und alle angereisten Mitglieder der Historischen Kommission eingefunden hatten, zunĂ€chst ihre gemeinsame Fotoausstellung „Körnitz und die Körnitzer in alter Fotografie“. Die Ausstellung umfasst ca. dreihundert Fotos und Ansichtskarten von Körnitz aus der Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre und gliedert sich in die Themen: Trachten, Familien, Kinder, Kirche & Religion, Messdiener, Hochzeiten, Erste Hl. Kommunion, Kirchenchor, Orchester, Landwirtschaft, MilitĂ€r, Schule, Lehrkörper, Schulklassen, SchulausflĂŒge, Kindergarten, Freizeit/Feierabend, Fußball und Motorisierung. Ein ĂŒberwĂ€ltigendes Interesse der GĂ€ste an der Fotoausstellung ĂŒberzeugte die Ausstellungsveranstalter, die ursprĂŒnglich als zeitlich befristet geplante Ausstellung nun zunĂ€chst ein mal fĂŒr unbefristete Zeit in den RĂ€umen des DFK in Körnitz den Interessierten weiterhin zu prĂ€sentieren. Zahlreiche Körnitzer fĂŒhlten sich noch wĂ€hrend des „Historischen Nachmittages“ inspiriert, mit ihren privaten alten Familienfotos die Ausstellung zu bereichern und diese fĂŒr ein kĂŒnftig geplantes Buch mit historischen Fotografien von Körnitz zur VerfĂŒgung zu stellen.
Mai 2016 (16) Mai 2016 (15)Mai 2016 (17)

In seiner Eröffnungsrede bedankte sich Andreas Smarzly an erster Stelle bei seiner Vereinskollegin Andrea Marx, aber auch bei der gesamten Historischen Kommission, dem Deutschen Freundschaftskreis Körnitz mit seinem Vorsitzenden Georg Rybczyk an der Spitze und dem Schulleiter der Körnitzer Schule, Herrn Ryszard ReszczyƄski, fĂŒr die enorme UnterstĂŒtzung, die alle bei der Organisation der Veranstaltung geleistet hatten. Ebenso dankte er auch den zahlreichen Sponsoren, die u.a. fĂŒr die kostenlose Bewirtung der anwesenden GĂ€ste mit schlesischem Streuselkuchen, Kaffee und GetrĂ€nken gesorgt hatten.

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Daraufhin stellte Prof. Wrobel, wie bereits tags zuvor in Oberglogau, den Anwesenden die Historische Kommission vor und prĂ€sentierte dem Publikum das neue Gemeinschaftswerk „Der Altkreis Oberglogau im Karolinischen Steuerkataster von 1722/26“. Im Anschluss an die Buchvorstellung nutzten die GĂ€ste rege die Möglichkeit zum Erwerb des neuen Buches.Mai 2016 (9)
Mai 2016 (11)

Andreas Smarzly informierte danach die Anwesenden ĂŒber den aktuellen Stand an den Arbeiten einer Chronik des Dorfes Körnitz. Er stellte dabei den Interessierten die existierenden Quellen vor, die fĂŒr die Beleuchtung der Vergangenheit dieses Dorfes unabdingbar sind, und die er bereits erforscht hat. Gleichzeitig zeigte er auch auf, welche Dokumente noch erforscht werden mĂŒssen und welche geschichtliche Epochen aufgrund fehlender Quellen wohl niemals restlos beleuchtet werden können. Eindringlich bat der Sprecher die Körnitzerinnen und Körnitzer um Hilfe bei der Erforschung der Geschichte ihres Heimatortes. Insbesondere ersuchte er alle anwesenden Einwohner, alte Fotos, Dokumente, historische Zeugnisse, ErzĂ€hlungen oder Erinnerungen mit ihm zu teilen, damit er mit diesen die Dorfchronik weiter bereichern kann.

Als nĂ€chste Referentin trat unsere Vereinskollegin, die gebĂŒrtige Körnitzerin, Anna MMai 2016 (14)yszyƄska mit ihrem Vortrag „Meine doppelte IdentitĂ€t“ auf. Die durch ihre, in der oberschlesischen Mundart geschriebenen BĂŒcher, in Oberschlesien dem breiten Publikum bekannte Schriftstellerin stellte den Anwesenden ihr von deutscher und polnischer Kultur beeinflusstes Leben und ihre bisherige literarische Arbeit vor.

Den letzten Vortrag des Tages hielt der Schulleiter der Körnitzer Grundschule, Herr Ryszard ReszczyƄski. Er prĂ€sentierte dabei die Ergebnisse seiner bisherigen Forschungen ĂŒber den ehemaligen Pfarrer von Körnitz, Anton Sarnes, und dessen TĂ€tigkeit als Herausgeber der polnisch sprachigen katholischen Zeitschrift „Monika“. So ĂŒberraschte der Referent die Zuhörer u.a. mit seiner Ablehnung der bisherigen Feststellungen polnischer Historiker, Pfarrer Sarnes sei ein VorkĂ€mpfer des Polentums in Oberschlesien gewesen, als er Zeugnisse prĂ€sentierte, die die unerschĂŒtterliche Treue des Kirchenmannes zu Deutschland und zum deutschen Kaiserhaus unterstrichen. Mit der Vorstellung der TĂ€tigkeit und des Lebenslaufes des Geistlichen vervollstĂ€ndigte ReszczyƄski wesentlich den bisherigen Forschungsstand ĂŒber die Körnitzer Pfarrei und die hier tĂ€tigen Geistlichen im ausgehenden 19. Jahrhundert.Mai 2016 (12)

Zur Auflockerung der AtmosphÀre trat zwischen den VortrÀgen die Gesangsgruppe des Deutschen Freundschaftskreises in Körnitz auf. Mit Volksliedern in deutscher, polnischer und oberschlesischer Sprache verbreiteten die Damen um den auf einer Harmonika musizierenden Heinrich Kamrad unter den GÀsten sehr viel gute Laune.Mai 2016 (13)

Nicht nur unter den Bewohner von Körnitz und der Umgebung fand der „Historische Nachmittag“ großes Interesse, auch die lokale Presse („Tygodnik Krapkowicki“, „Nowiny Krapkowickie“, „Tygodnik Prudnicki“), die ihre Reporter zu der durchweg zweisprachig durchgefĂŒhrten Veranstaltung entsandte, berichtete ĂŒber diese im Nachhinein sehr positiv und teilweise auch sehr ausfĂŒhrlich:

Nowiny Krapkowickie 31.05.2016

Nowiny Krapkowickie 31.05.2016b

Tygodnik Krapkowicki

Tygodnik Prudnicki

Zycie Glogowka

Aus der Sicht des vollzĂ€hlig an der Veranstaltungswoche teilnehmenden Vorstandes der Historischen Kommission und der mitgereisten sowie ortsansĂ€ssigen Mitglieder war diese Tour ein vollstĂ€ndiger Erfolg. Die Unmengen an neuen Dokumenten, Materialien und Daten aus dem Staatsarchiv werden wieder einen weiteren Grundstock fĂŒr zahlreiche neue Forschungen und Publikationen der Mitglieder oder im Rahmen der landeskundlichen Schriftenreihe bilden. Die zahlreich besuchten Veranstaltungen an der UniversitĂ€t in Oppeln, in Oberglogau und in Körnitz hingegen machten unseren Verein in Schlesien noch bekannter, erregten großes Interesse an unserer Arbeit (insbesondere an unserer neuesten Publikation „Der Altkreis Oberglogau im Karolinischen Steuerkataster von 1722/26“) und verschafften uns zugleich viele neue interessante Kontakte, Freunde und sogar einige neue Mitglieder.

Andreas Smarzly

Neue Buchpublikation: Der Altkreis Oberglogau im Karolinischen Steuerkataster von 1722/26

Der Altkreis Oberglogau im Karolinischen Steuerkataster von 1722/26

Mit dem nun schon 9. Band ihrer Landeskundlichen Schriftenreihe legt die KKHistorische Kommission nun die Ergebnisse einer ĂŒber 12 Jahre andauernden Forschungs- und Entzifferungsarbeit vor: die steuerlichen Aufzeichnungen ĂŒber den gesamten bĂ€uerlichen Besitz in den Dörfern des alten Kreises Oberglogau von Psychod im Norden bis Schönau im SĂŒden, von Olbersdorf im Westen bis Walzen im Osten. Das Steuerkataster, dessen OriginalbĂ€nde im Staatsarchiv Breslau vorliegen, wurde von Kaiser Karl VI. in Auftrag gegeben und in den Jahren 1722 bis 1726 von lokalen Kommissionen aufgezeichnet. Es enthĂ€lt fĂŒr alle Bauern und GĂ€rtner den Vieh- und Landbesitz in detaillierter Beschreibung, Informationen ĂŒber die örtlichen MĂŒhlen und WĂ€lder, den Bier- und Schnapsausschank u.v.m. Damit bietet das Buch fĂŒr den interessierten Leser eine Vielzahl von Informationen – entweder zur eigenen Familiengeschichte oder zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte der gesamten Region.

Das Buch ist zweisprachig gestaltet, d.h. es besteht aus einer deutschen und einer polnischen historischen EinfĂŒhrung, dem deutschen Originaltext des Katasters in komprimierter Form sowie einer Ortsnamenkonkordanz. Hinzu kommt ein Verzeichnis der Nachnamen, welches das Auffinden einzelner Familien im Buch stark erleichtert.

Das Buch kann zum Preis von 10,00 Euro plus Porto und Verpackung bestellt werden beim Vorstand: ralph.wrobel@hkknos.de oder andreas.smarzly@hkknos.de

 

Link (deutschsprachig):
Schlesische Steuerkataster des frĂŒhen 18. Jahrhunderts entdeckt!