Historische Woche in Oberschlesien

vom 28. Mai bis 1. Juni 2018

Wer glaubt, dass die Erforschung der oberschlesischen Geschichte zumindest von deutscher Seite vor dem Ende steht, wurde Ende Mai 2018 eines anderen belehrt. In der Woche vom 28. Mai bis zum 01. Juni 2018 fĂŒhrte die Historische Kommission fĂŒr den Kreis Neustadt/OS (HKKNOS) im Rahmen einer „Historischen Woche“ in Oberschlesien intensive Forschungsarbeiten in schlesischen Archiven und eine Reihe von Veranstaltungen durch. Insgesamt acht Mitglieder der HKKNOS reisten aus Deutschland nach Oberschlesien an. Vor Ort trafen zudem zahlreiche in Polen wohnende Mitglieder unseres Vereines zu den Vernstaltungen hinzu. An den Vormittagen vom Montag bis Mittwoch wurden Forschungen in den Staatsarchiven in Oppeln und Breslau, wie auch in verschiedenen Pfarrarchiven, durchgefĂŒhrt. SpĂ€tnachmittags fanden zudem unterschiedlichste historische Vortragsveranstaltungen statt.

Am Dientag, den 29. Mai, fand spĂ€tnachmittags im Kulturhaus in Kerpen ein Vortrag von Prof. Dr. Ralph Wrobel mit dem Titel “750 Jahre Kerpen” statt. Diese, durch das Regionalmuseum Oberglogau mit dem Direktor und unserem Vereinsfreund Aleksander Devosges-Cuber an der Spitze oranisierte Veranstaltung, zog viele interessierte Einwohner von Kerpen und von außerhalb an. Prof. Wrobel prĂ€sentierte anschaulich die beinahe 800-jĂ€hrige Geschichte des Heimatortes seiner Vorfahren, stellte interssante Ergbebisse seiner Forschungsarbeiten zu dem Thema vor, wie auch noch unerforschte Themefelder. Insbesondere zu Themengebieten bezĂŒglich der lokalen Geschichte des 20. Jahrhunderts bat er die anwesenden Teilnehmer um Hilfe bei seinen Forschungen, was zahlreiche RĂŒckmeldungen, Diskussionen und regen Informationsaustausch insbesondere seitens der Ă€lteren Bewohner des Ortes nach sich zog. Prof. Wrobel versprach, zum 750-jĂ€hrigen JubilĂ€um der ErsterwĂ€hnung des Dorfes in sechs Jahren, eine Ortschronik fertigstellen zu wollen.

Der folgende Mittwochabend war der Vorstellung des bereits 10. Bandes der Landeskundlichen Schriftenreihe der HKKNOS, dem Buch „Die Altkreise ZĂŒlz und Neustadt im Karolinischen Steuerkataster von 1722/26“ gewidmet. Diese Veranstaltung wurde von unseren Freunden des Museums des NeustĂ€dter Landes in Neustadt, Dr. Wojciech Dominiak und Herrn Marcin Husak, hervorragend vorbereitet und organisiert. So fanden sich die Mitglieder der HKKNOS aus beiden LĂ€ndern, wie auch interessierte BĂŒrger aus der NeustĂ€dter und der ZĂŒlzer Gegend im großen Raum des Zentrums der Webertraditionen im Museum des NeustĂ€dter Landes in Neustadt ein, wo Prof. Wrobel ĂŒber die Entstehungsgeschichte des Werkes, die Quelle selbst und die mĂŒhevolle Arbeit an dem Buch berichtete. Dabei stellte er fest, dass nun, zwei Jahre nach dem Erscheinen des ersten Bandes des Karolinischen Steuerkatasters „Der Altkreis Oberglogau im Karolinischen Steuerkataster von 1722/26“, die HKKNOS diese Quellenpublikation mit einem zweiten Band ĂŒber die Dörfer der Altkreise ZĂŒlz und Neustadt sowie der Stadt ZĂŒlz vervollstĂ€ndigt hat. Auch sei dieser Band in doppelter Hinsicht bemerkenswert. Zum einen vervollstĂ€ndigt er die Angaben zu den Dörfern des ehem. Kreises Neustadt/OS. Zum anderen veröffentlicht die HKKNOS damit erstmalig mit ZĂŒlz das Steuerkataster einer oberschlesischen Stadt.

Am Fronleichnahmsfeiertag, Donnerstag, dem 31. Mai, fand ab 15.00 Uhr in Körnitz die Vorstellung des Buches von Andreas Smarzly „Oberschlesisches Dorfleben ĂŒber 100 Jahre im Bild – Historische Fotografien aus Körnitz“ statt. Die Herausgabe des knapp dreihundert Seiten starken Werkes mit 620 historischen Fotos wurde insbesondere mit finanzieller UnterstĂŒtzung der Historischen Kommission fĂŒr den Kreis Neustadt/OS, aber auch seitens des Landratsamtes Krappitz, der Gemeinde Krappitz und der Ortsgemeinde Körnitz herausgegeben. Zudem beschaffte der Ortsgemeinderat, mit dem Ortsvorsteher Ewald Tomala und dem Schuldirektor und Kreistagsmitglied Ryszard Reszczynski an der Spitze, Mittel fĂŒr die Ausrichtung eine Festes, an dem mehrere hundert Besucher der Veranstaltung mit kostenfreiem schlesischem Kuchen, Kaffee und GrillwĂŒrstchen beköstigt wurden. Aufgrund der o.g. finanziellen UnterstĂŒtzung des Kreises, der Gemeinde und der Ortsgemeinde bekamen alle Einwohner von Körnitz zudem ein Exemplar des Buches kostenlos ausgehĂ€ndigt. In Anwesenheit u.a. des BĂŒrgermeisters der Stadt- und Gemeinde Krappitz, Herrn Andrzej Kasiura, des Vorstandsmitglieds der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien, Frau Zuzanna Donath-Kasiura, des Kreistagsabgeordneten Herrn Georg Mikus, des frĂŒheren Gemeindevorstehers von Walzen und unserers Vereinsfreundes Peter Mitschka, des Ortspfarrers Josef Niedziela, unserer Freunde vom Deutschen Freundschaftskreis Körnitz, örtlicher Vereine, zahlreicher Mitglieder der HKKNOS, eines Großteils der Einwohner von Körnitz, wie auch zahlreicher Besucher aus nah und fern, fand beim sommerlichen Wetter ein wunderbares Volksfest statt, an dem das Buch ĂŒberwĂ€ltigenden Absatz fand. In kurzen Ansprachen begrĂŒĂŸten Direktor Reszczynski und BĂŒrgermeister Kasiura alle GĂ€ste und hoben die Wichtigkeit und Besonderheit von Publikationen wie dieser hervor, welche fĂŒr das Kennenlernen der eigenen Geschichte und die Bewahrung und StĂ€rkung der oberschlesischen IndentitĂ€t vom unschĂ€tzbaren Wert sei. Prof. Wrobel stellte daraufhin die aktuellen AktivitĂ€ten der HKKNOS den Anwesenden vor und Andreas Smarzly berichtete ĂŒber die rund zwei Jahrzehnte andauernde Sammelarbeit der fĂŒr das Buch erforderlichen historischen Fotografien, sowie ĂŒber die Schritte, die letztlich zur Entstehung des Buches fĂŒhrten. Dabei bedankte er sich vor allem fĂŒr die unermeßliche Hilfe, die Andrea Smolarz zur Entstehung des Werkes beigetragen hat, wie auch bei all den edlen Spendern, die ihre privaten Fotoalben fĂŒr diese Arbeit zur VerfĂŒgung gestellt haben. Das wunderbare Fest wurde abgerundet von phantastischen Auftritten der Schulkinder aus Körnitz, welche Lieder und Gedichte in deutscher, polnischer und oberschlesischer Sprache vortrugen, wie auch des Gesangsvereins „Körnitzer Stimme“, der mit traditionellen und neuen Liedern das Fest zusĂ€tzlich bereicherte.

Parallel zu der Veranstaltung in Körnitz fand in Friedersorf eine Veranstaltung unserer Vereinsfreundin, des Vorstandsmitglieds der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien, RĂłza Zgorzelska, und von Dr. Wojciech Dominiak vom Museum des NeustĂ€dter Landes statt, wĂ€hrend welcher das Buch „Ein Blick durch die Gardine. MultikulturalitĂ€t Oberschlesiens am Beispiel des NeustĂ€dter und des LeobschĂŒtzer Kreises“ vorgestellt wurde. An diesem Werk, das nun in seiner zweiten Auflage zweisprachig erschienen ist, haben auch Prof. Ralph Wrobel und Andreas Smarzly als Autoren mitgewirkt.

Den krönenden Abschluss fand die „Historische Woche“ der HKKNOS mit der Konferenz zum Thema „Oberschlesischer Landadel an der Schwelle zur Neuzeit: Herkunft, Bedeutung und Niedergang (1428 – 1648)“. Die Konferenz, welche die HKKNOS gemeinsam mit dem Regionalmuseum von Oberglogau durchfĂŒhrte, fand am Freitag, dem 01. Juni im großen Sitzungssaal des Museums, im ehemaligen Stockhausturm statt. Die Reihe eröffnete Herr Kamil Adamus vom Diözesanmuseum in Oppeln mit einem Referat zum Thema „Herzog Bolko V. und die Hussitenbewegung in Schlesien“. Anschaulich stellte er das Leben, das familiĂ€re Umfeld und vor allem das politische Wirken des FĂŒrsten von Oberglogau, Oppeln und Ratibor vor. Unter dem Aspekt „Herkunft des oberschlesischen Landadels“ hielt Dr. Joachim Himanek (HKKNOS) den Vortrag „Die Familie Larisch: Von GlĂ€sen ĂŒber Ellguth nach Karwin“. Dr. Himanek konnte dabei den Anwesenden der Wissenschaft bisher unbekannte Dokumente prĂ€sentieren, die er im Staatsarchiv BrĂŒnn gefunden hatte und die ein neues Licht auf die Geschichte des o.g. Adelsgeschlechtes werfen, welches im Mittelalter die ersten Vögte von Oberglogau stellte und spĂ€ter in die höchsten RĂ€nge des Reichsadels avancierte. Mit dem Vortrag „Die Familie Strzela von Dielaw auf MĂŒllmen als Förderer der Reformation“ trug Prof. Dr. Wrobel (HKKNOS) zur Diskussion ĂŒber das reformatorische Wirken des oberschlesischen Landadels bei. Den zahlreich erschienenen Zuhörern, die u.a sogar aus Bayern, wie auch aus Hindenburg in Ostoberschlesien angereist waren, prĂ€sentierte Prof. Wrobel Hinweise auf ein deutlich stĂ€rkeres Vordringen der Reformation im Oberschlesien links der Oder als allgemein bisher angenommen.

Nach der Mittagspause hielten Andreas Smarzly (HKKNOS) und der Direktor des Regionalmuseums von Oberglogau Aleksander Devosges-Cuber ihre VortrĂ€ge ĂŒber die regionale und ĂŒberregionale Bedeutung des oberschlesischen Landadels. In seinem Vortrag „Die Familie Lassota von Steblau und ihre politische Wirkung auf regionaler wie internationaler Ebene“ stellte Andreas Smarzly den Teilnehmern der Konferez mit dem Kanzler Nikolaus Lassota von Steblau und dem kaiserlichen Diplomaten Erich Lassota von Steblau zwei Mitglieder des genannten Geschlechts vor, die eng mit dem oberglogauer Land verbunden waren und im 16. Jahrhundert in den FĂŒrstentĂŒmmern Oppeln und Ratibor wie auch auf dem europĂ€ischen Parkett immense politische Wirkung entfaltet haben. Aleksander Devosges Cuber referierte wiederum ĂŒber die „Oberglogauer Stiftungen von Johann (1514-1584) und Georg Maximilian (um 1547-1607) von Oppersdorff“. Dabei stellte er die dynastischen Verbindungen des Oppersdorffschen Geschlechtes und ihre kulturhistorischen Leistungen dar.

Im letzten Vortragsblock unter dem Oberbegriff „Ausdifferenzierung des oberschlesischen Landadels“ hielt zunĂ€chst Frau Ewa Kalbarczyk-KƂak vom National Heritage Institute in Oppeln einen Vortrag zum Thema „Erhaltungszustand von Adelsresidenzen aus dem 16. und 17. Jahrhundert in den sĂŒdlichen Gebieten des ehemaligen Oppelner Herzogtums“. Die Referentin konzentrierte sich dabei insbesondere auf die im Kreis Neustadt gelegenen Schlösser Wachtel Kunzendorf, Wiese GrĂ€flich und Rosnochau. Sie stellte aber auch die Residenz der Familie von Pruskovsky in Proskau vor. Den letzten Vortrag hielt Peter Ernst (HKKNOS) zum Thema „Die Vertreibung der protestantischen Landadeligen im Zuge der Gegenreformation im DreißigjĂ€hrigen Krieg“. Wie er deutlich machte, kam es wĂ€hrend des DreißigjĂ€hrigen Krieges zu einem Wandel vom militĂ€risch orientierten zu einem verwaltungstechnisch verantwortlichen Landadel. Wirtschaftlich starke und dem katholischen Haus Habsburg nahestehende Familien wie z.B. die von Oppersdorff verdrĂ€ngten den vom Krieg und der Gegenreformation stĂ€rker betroffnen – teilweise protestantischen – Landadel.

Alle VortrĂ€ge, Reden und Vorstellungen, sowohl an diesem Tag in Oberglogau, als auch wĂ€hrend der Veranstaltungen in Neustadt und in Körnitz wurden von unserer zuverlĂ€ssigen Agnieszka Skrzypulec absolut proffessionell konsekutiv in die deutsche bzw. in die polnische Sprache ĂŒbersetzt. Die diesjĂ€hrige „Historische Woche“ der HKKNOS fand neben einem großen Interesse seitens der orstansĂ€ssigen Bevölkerung auch ein breites Echo in der lokalen Presse. So berichtenen allen namhaften Zeitungen und BlĂ€tter der Region ĂŒber unsere Veranstaltungen; wie „Tygodnik Prudnicki“, „ƻycie GƂogĂłwka“, „Tygodnik Krapkowicki“, „Panorama Bialska“, „Nowiny Krapkowickie“ und auch die ĂŒberregionale Zeitung der Deutschen in Polen das „Wochenblatt“. Zu dem begleitete ein dreiköpfiges Team der Produktionsgesellschaft Pro Futura mit der Kamera unsere Veranstaltungen. Dabei wurde eine Kurzreportage ĂŒber unsere TĂ€tigkeit gedreht, die in der zweisprachigen Sendung „Schlesien Journal“ in den polnischen TV-Sendern: TVP3 Katowice, TV Silesia (TVS) und TVP3 Opole ausgestrahlt wurde und inzwischen auch auf You Tube abrufbar is.

Zahlreiche Fotos, die von verschiedenen Fotografen anlĂ€sslich der „Historischen Wochen“ angefertigt wurden, wie auch einige der erschieneen Presseartikel sind fĂŒr die Mitglieder der HKKNOS auf unserer Cloud zugĂ€nglich.

Somit blicken wir erneut auf eine erfolgreiche Woche in Oberschlesien und eine sehr schöne Zeit mit unseren Mitgliedern und Freunden aus Polen zurĂŒck. Vor allem freuen wir uns, dass die FrĂŒchte unserer Arbeit von einem breiten Publikum in Schlesien mit einem derart großen Interesse aufgenommen werden. Unvergesslich bleiben aber auch die wunderbaren sommerlichen Abende im Hotel „Salve“ in Oberglogau und im Hotel „Piast“ in Oppeln, wo die Teilnehmer aus Deutschland ĂŒbernachteten und mit orstansĂ€ssigen Freunden, bei leckerer schlesischen KĂŒche, gutem polnischen Bier und bei mehr oder weniger tiefgrĂŒndigen GesprĂ€chen, die intensiven, arbeitsreichen und ausgefĂŒllten Tage jeweils RevĂŒ passieren ließen.

 

Bericht in “Schlesien heute”, Ausgabe 7/2018:

 

Links:

www.youtube.com/watch?v=YDGd4QhBsTQ

http://wochenblatt.pl/es-gibt-noch-viel-zu-erforschen-video/

http://terazprudnik.pl/2018/05/30/kopalnia-informacji-w-bialsko-prudnickim-katastrze-karolinskim/

http://terazprudnik.pl/2018/06/02/hkknos/ O górnoƛląskim ziemiaƄstwie i jego siedzibach

https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1570614366394871.1073741905.244249939031327&type=1&l=a9c1011183

https://www.facebook.com/pg/kornica1/photos/?tab=album&album_id=858189867712662

https://www.facebook.com/pg/%C5%BBycie-G%C5%82og%C3%B3wka-586981721436483/photos/?tab=album&album_id=1266541160147199

 

Oberschlesisches Dorfleben ĂŒber 100 Jahre im Bild – Historische Fotografien aus Körnitz

Die HKKNOS prĂ€sentiert das neue Buch von Andreas M. Smarzly: „Oberschlesisches Dorfleben ĂŒber 100 Jahre im Bild – Historische Fotografien aus Körnitz“.

Das Buch enthĂ€lt eine Auswahl von 620 historischen Fotos aus dem 20. Jahrhundert. Es gliedert sich in die folgenden Themenbereiche, denen jeweils ein ErlĂ€uterungstext vorangestellt ist: Dorfansichten, Trachten, Familien, Kinder, Lebensstationen (Erstkommunion, Hochzeiten, Beerdigungen), Schulleben, Kindergarten, Lehrer und SchĂŒler, AusflĂŒge und Veranstaltungen, Arbeit, Feierabend & Freizeit, Fußball, Motorisierung, Kirche und religiöses Leben, Messdiener, Kirchenchor & Orchester, In verschiedenen Uniformen und In die weite Welt. Die Arbeit wird ergĂ€nzt durch ein Vorwort des ersten Vorsitzenden der HKKNOS, Prof. Wrobel, einem kurzen Text zur Geschichte der Fotografie der aus Körnitz stammendes Schriftstellerin Frau Anna Myszynska, einen siebenseitigen Einleitungstext und ein Verzeichnis aller im Buch vorkommenden Familiennamen.

Umschlag: Hardcover, Format: DINA 4, Papier: Kreide/weiß, Seitenzahl: 297, Gewicht: 1.400 Gramm, Verlag: Solpress-Verlag, Oppeln

Das Buch kann zum Preis von 10,00 Euro plus Porto und Verpackung bestellt werden beim Vorstand:

ralph.wrobel@hkknos.de  oder

andreas.smarzly@hkknos.de

 

Historischer Rundbrief 2018-01

ANBEI DER AKTUELLE HISTORISCHE RUNDBRIEF: Ausgabe 2018-1

Wir laden herzlich zur „Historischen Woche“ vom 29. Mai bis zum 01. Juni 2018 in Schlesien ein:

– Dienstag, 29.05.2018, Vortrag in Kerpen „750 Jahre Kerpen” (R. Wrobel)

– Mittwoch, 30.05.2018, Neustadt, Vorstellung des Buches „Die Altkreise ZĂŒlz und Neustadt im Karolinischen Steuerkataster von 1722/26“.

– Donnerstag, 31.05.2018, Körnitz, Vorstellung des Buches „Oberschlesisches Dorfleben ĂŒber 100 Jahre im Bild – Historische Fotografien aus Körnitz“ (A. Smarzly) mit Volksfest (Auftritte / Darbietungen: Körnitzer Schulkinder, Chor der Deutschen Minderheit, Feuerwehr, HĂŒpfburg fĂŒr Kinder…)

– Freitag, 01.06.2018, Konferenz in Oberglogau: „Oberschlesischer Landadel an der Schwelle zur Neuzeit: Herkunft, Bedeutung und Niedergang (1428 – 1648)“ mit VortrĂ€gen u.a. von Mitgliedern der HKKNOS

13. Studienfahrt „Schlösser und GĂ€rten im nördlichen Böhmen“

In der Woche vom 27. August bis 3. September 2017 fĂŒhrte die Historische Kommission fĂŒr den Kreis Neustadt/OS (HKKNOS) ihre 13. Studienfahrt, unter dem Motto „Schlösser und GĂ€rten im nördlichen Böhmen“, durch. Dieses Jahr besuchten die 23 Teilnehmer der Reise die mit Schlesien benachbarte Grenzregion im nördlichen Tschechien.

Die in Wadersloh, Erfurt und Dresden zugestiegen Reisenden erreichten bereits am spĂ€ten Nachmittag des ersten Tages Tetschen (Děčín), wo fĂŒr die nĂ€chsten drei NĂ€chte im Hotel „ČeskĂĄ Koruna“ Quartier bezogen wurde. Kurz darauf stieß unser tschechischer ReisefĂŒhrer Peter Kumpfe zu uns. Da es bis zum Abendessen noch etwas Zeit blieb, fĂŒhrte uns Peter, ein Deutschböhme und bekannter Radiomoderator des MDR, außerplanmĂ€ĂŸig zum unweit des Stadtzentrums gelegenen, in den letzten Jahren grundrenovierten Schloss der Familie von Thun.

Tetschen (Děčín)

Am darauffolgenden Montag fĂŒhrte uns die Reise bei schönstem SpĂ€tsommerwetter planmĂ€ĂŸig nach Leitmeritz (Litoměƙice), wo eine StadtfĂŒhrung stattfand.

Leitmeritz (Litoměƙice)

Danach ging es zum Schloss derer von Waldstein nach Dux (Duchcov), wo Ende des 18. Jahrhunderts der berĂŒhmte venezianische Frauenheld, Abenteurer und Schriftsteller Giacomo Casanova seine letzten Lebensjahre verbrachte und seine bis heute bekannten TagebĂŒcher niederschrieb.

Dux (Duchcov)

Den Tag beendeten wir mit einer Auffahrt mit dem Sessellift auf den 807 Meter hohen MĂŒckenberg, von wo sich ein faszinierender Blick auf das Umland bot.

MĂŒckentĂŒrmchen (Komáƙí vĂ­ĆŸka)

Am nĂ€chsten Tag fĂŒhrte uns Peter durch „Wallensteins Land“. So stand zunĂ€chst auf dem Programm der Besuch des Schlosses Friedland (FrĂœdlant), nach dem der einstige Generalissimus des 30-jĂ€hrgen Krieges, Albrecht von Wallenstein (von Waldstein), den Titel eines Herzogs von Friedland fĂŒhrte.

Friedland (FrĂœdlant)

Nach einer Mittagspause am prÀchtigen Ring von Reichenberg (Liberec), besichtigten wir ein weiteres Schloss, das sich einst im Besitz von Wallensteins befunden hat.

Reichenberg (Liberec)

Es war das unweit von Deutsch Gabel (JablonnĂ© v PodjeĆĄtědĂ­) gelegene Schloss in LĂ€mberg (Lemberk), das zuletzt der Familie Clam-Gallas gehörte und dessen RĂ€ume ĂŒberfĂŒllt sind mit ursprĂŒnglicher Inneneinrichtung aus verschiedenen Epochen der vergangenen vier Jahrhunderte.

LĂ€mberg (Lemberk)

Auf der RĂŒckreise ins Hotel fanden wir noch Zeit fĂŒr einen Halt an der prĂ€chtig ausgestatteten Basilika in Deutsch Gabel, in der die Reliquien der heiligen Zdislava von LĂ€mberg, der Schutzheiligen der Armen und Leidenden in Böhmen, verehrt werden.

Am Mittwoch verließen wir das Hotel in Tetschen und besuchten Schlösser und Burgen im „böhmischen Paradies“. ZunĂ€chst ging es nach Sichrow (Sychrov), zum Schloss der einst aus Frankreich nach Böhmen emigrierten Familie de Rohan. Das malerische Schloss mit seinen Elementen aus dem englischen Baustil dient hĂ€ufig als Kulisse fĂŒr zahlreiche Filmproduktionen, u.a. auch bei einem James-Bond-Film.

Sichrow (Sychrov)

Danach fuhren wir nach MĂŒnchengrĂ€tz (Mnichovo HradiĆĄtě), wo wir das im Originalzustand phantastisch ausgestattete Schloss besichtigten, das vom 17. bis zum 20. Jahrhundert der Familie von Waldstein gehörte. Unweit des Schlosses befindet sich heute die letzte RuhestĂ€tte des berĂŒhmtesten Sprosses der Familie, des bereits genannten Generalissimus Albrecht von Wallenstein/Waldstein.

MĂŒnchengrĂ€tz (Mnichovo HradiĆĄtě)

Nachmittags fuhren wir, gewissermaßen weiterhin auf Wallensteins Spuren, nach Jitschin (Jičín), der Residenzstadt des Herzogtums Friedland.

Jitschin (Jičín)

Am Abend bezogen wir unsere Zimmer im Hotel „U Beránka“ in Nachod (Náchod).

Am letzten Tag des August ging es in den Osten Böhmens, zuerst in eine der schönsten RenaissancestĂ€dte Tschechiens, nach Neustadt an der Mettau (NovĂ© Město nad MetujĂ­). Nach einer FĂŒhrung durch das, Anfang des 16. Jahrhunderts gegrĂŒndete und absolut bezaubernde StĂ€dtchen, konnten wir das am Rande des Marktplatzes gelegene und sich bis heute im Besitz der Familie Bartoƈ von DobenĂ­n befindende Schloss mit seiner ursprĂŒnglichen Innenausstattung besichtigen.

Neustadt an der Mettau (NovĂ© Město nad MetujĂ­)

 Die Mittagspause verbrachten wir im pulsierenden KöniggrĂ€tz (Hradec KrĂĄlovĂ©), von wo wir nachmittags in die mit dieser UniversitĂ€tsstadt konkurrierende Bezirkshauptstadt Pardubitz (Pardubice) fuhren. Auch hier besuchten wir das königliche Schloss, welches ein seltenes Beispiel des fließenden Übergangs eines Burgenbaus in eine Schlossanlage darstellt, und wo in drei RittersĂ€len noch Fragmente frĂŒherer Wandmalereien aus der FrĂŒhrenaissance zu sehen sind.

Pardubitz (Pardubice)

Auf der RĂŒckkehr zum Hotel machten wir noch Halt an verschiedenen DenkmĂ€lern des weitlĂ€ufigen GelĂ€ndes der Schlacht von KöniggrĂ€tz, in der im Jahre 1866 preußische Truppen die Armeen der Österreichisch-Ungarischen Monarchie besiegten, womit sie das einstige deutsche Kaiserhaus der Habsburger aus dem neuem Deutschem Reich der Preußen herausdrĂ€ngten.

Schlachtfeld von KöniggrÀtz (Hradec Krålové)

Wurden wir seit unserer Einreise nach Böhmen jeden Tag vom schönsten Sommerwetter verwöhnt, so schlug dieses in unserer letzten Nacht in Tschechien schlagartig um. Als wir am Freitagmorgen das Schloss in Nachod besuchten, waren Jacken, RegenmĂ€ntel und Regenschirme unerlĂ€ssliche Begleiter. Dennoch waren wir auch hier wieder ĂŒberwĂ€ltigt, sowohl von der Ă€ußeren Optik als auch ĂŒber die innere Ausstattung des sich bis zum Endes des Zweiten Weltkrieges im Besitz der Familie Schaumburg-Lippe befindenden Schlosskomplexes.

Nachod (NĂĄchod)

Dann verließen wir Böhmen und begaben uns, die Grafschaft Glatz und das Neißer Bistumsland durchquerend, nach Neustadt in Oberschlesien. In Neustadt/OS fand am Abend im Hotel „Oaza“ die traditionelle Wiedersehensfeier mit unseren Freunden, Vereinsmitgliedern aus Polen, VorstĂ€nden befreundeter Institutionen und Vereine und örtlichen Politikern statt. Zwar haben sich die Stadtvertreter von Neustadt/OS wegen eines anderweitigen Termins dieses Mal entschulden mĂŒssen, stattdessen kamen starke Abordnungen der Deutschen Freundschaftskreise aus Neustadt/OS, Oberglogau-Hinterdorf und zum ersten Mal auch aus Oberglogau-Weingasse zu unserem Fest. Die Feier wurde bereichert durch musikalische Darbietungen des Chors der Deutschen Minderheit aus Neudorf.

Die Reisegruppe

Am letzten Tag standen mehrere Termine gleichzeitig auf dem Programm. WĂ€hrend die meisten Teilnehmer der Reise vormittags durch Herbert Schindler, der mit Gattin privat nach Neustadt anreiste, durch „seine“ Stadt Neustadt gefĂŒhrt und fachkundig ĂŒber alle wichtigen Punkte und Gegebenheiten aufgeklĂ€rt wurden, begaben sich Ralph Wrobel und Andreas Smarzly nach Oberglogau. Hierhin wurde der Vereinsvorstand von unserem Vereinsfreund, dem oberglogauer Museumsdirektor Aleksander Devosges-Cuber eingeladen. Dieser hielt anlĂ€sslich eines Familientreffens von 65 Mitgliedern der Familie von Oppersdorff in Oberglogau, im dortigen Rathaus einen Vortrag ĂŒber das MĂ€zenatentum dieser Familie in den vergangenen Jahrhunderten. Wieder zurĂŒck in Neustadt/OS fĂŒhrte der Vorstand der HKKNOS, in Anwesenheit interessierter Vereinsmitglieder und Mitreisender, die offizielle Übergabe von AusstellungsstĂŒcken aus der aufgelösten NeustĂ€dter Heimatstube in Northeim an das Museum in Neustadt durch.

Im Museum des NeustÀdter Landes (v.l. Prof. R. Wrobel, A. Smarzly, Dr. W. Dominiak, R. Matulla, S. König, Museumsmitarbeiter, M. Gliese)

Besonders unsere beiden Mitglieder Sebastian König und Maik Gliese haben zu dieser feierlichen Übergabezeremonie beigetragen, indem sie neben zahlreichen Kartons mit verschiedensten Exponaten, vor allem den ĂŒber 300 kg schweren Grabstein des Pfarrers von Neustadt, Hermann J. HĂŒbner (+1934), aus Northeim nach Neustadt (zurĂŒck)transportiert haben. Sowohl der Vereinsvorsitzende Prof. Wrobel als auch der Direktor des Museums in Neustadt Dr. Dominiak zeigten sich in ihren Ansprachen glĂŒcklich ĂŒber die freundschaftliche und partnerschaftliche Zusammenarbeit der HKKNOS und des Museums in Neustadt in den letzten Jahren, welche gemeinsame Projekte und Aktionen wie diese ermöglichten. Diese Veranstaltung wurde von der lokalen Presse und dem Regionalfernsehen verfolgt, welche darĂŒber ausfĂŒhrlich berichteten (siehe Minuten 02.33-04.45:

http://tvprudnik.pl/35-tabs/tabs-aktualnosci/1081-wydarzenia-pogranicza-35.html).

Am Samstagnachmittag begab sich die Reisegruppe nach Oberglogau, wo Ralph Wrobel eine FĂŒhrung durch die historisch unglaublich interessante Stadt machte.  Danach begaben wir uns zu unserem letzten Programmpunkt wĂ€hrend dieser Studienfahrt, nĂ€mlich zum 25. Beethovenfestival in Oberglogau, zu dem wir ebenfalls von unserem Vereinsfreund und Veranstalter dieses traditionsreichen Festivals, Aleksander Devosges-Cuber, eingeladen worden waren. Im neurenoviertem großen Saal des Kulturhauses von Oberglogau wurden wir ĂŒber zwei Stunden lang vom bekannten Kammerorchester „Leopoldinum“ aus Breslau mit Serenaden und Pianokonzerten von Mozart, KarƂowicz und Dvoƙak verzĂŒckt.

Am Sonntag frĂŒh verließen wir Neustadt und unser Fahrer Rolf von „Osburg-Reisen“ brachte uns alle mit seinem modernen Reisebus zuverlĂ€ssig und pĂŒnktlich wieder zurĂŒck nach Hause.

Andreas M. Smarzly

Fotos: Ralph Wrobel

Einladung zur 13. Studienfahrt: Schlösser und GÀrten im nördlichen Böhmen

Inklusive Teilnahme am 25. Beethoven-Festival
in Oberglogau, Kreis Neustadt/OS

 

27.08. – 3.09.2017

Programmentwurf (Stand 20. MĂ€rz 2017)

zum Herunterladen als PDF: 2017 – Programmentwurf – MĂ€rz 17

 

Sonntag, 27.08.2017 – Anreise nach Böhmen

Anreise mit dem Bus von Wadersloh (6:00) ĂŒber Kassel – Bhf. Wilhelmshöhe (7:45), Erfurt Hbf. (10:45) und Dresden (14:30) nach Tetschen (Děčín), unterwegs Kaffeepause mit Besichtigung der Burgruine Schreckenstein (Hrad Stƙekov) bei Aussig (ÚstĂ­ nad Labem), dann Zimmerbezug im Hotel ČeskĂĄ Koruna, kleiner Rundgang zum Rosengarten und Schloss, gemeinsames Abendessen im Hotel.

 

Montag, 28.08.2017 – An der Elbe durch Böhmen

Ausflug nach Leitmeritz (Litoměƙice), StadtfĂŒhrung und Mittagspause, danach Ausflug zum Casanova-Schloss in Dux (Duchcov), Besichtigung des Schlossmuseums, weiter mit dem Sessellift zum MĂŒckentĂŒrmchen (Komáƙí vĂ­ĆŸka), dort Kaffeepause mit Rundblick, RĂŒckfahrt nach Tetschen (Děčín), gem. Abendessen im Hotel.

 

Dienstag, 29.08.2017 – Durch Wallensteins Land

Ausflug zum Schloss Friedland (FrĂœdlant), Schlossbesichtigung, Weiterfahrt nach Reichenberg (Liberec), dort Mittagspause, anschl. weiter zum Schloss LĂ€mberg (Lemberk), Schlossbesichtigung, RĂŒckfahrt nach Tetschen (Děčín), gem. Abendessen im Hotel.

 

Mittwoch, 30.8.2017 – Schlösser und Burgen im böhmischen Paradies
Wechsel des Hotels, Fahrt nach Sichrow (Sychrov), Schlossbesichtigung, Mittagspause mit WĂŒrstchen, Weiterfahrt nach MĂŒnchengrĂ€tz (Mnichovo HradiĆĄtě), Besichtigung des Barockschlosses, Weiterfahrt – vorbei an der Burg Trosky – nach Jitschin (Jičín), kurze Stadtbesichtigung (Ring, Wallenstein-Schloss), gem. Abendessen, dann Weiterfahrt nach Nachod (NĂĄchod), dort Zimmerbezug im Hotel U BerĂĄnka.
Hotel U BerĂĄnka

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