30-j├Ąhriges Jubil├Ąum in Northeim

Zum 30-j├Ąhrigen Jubil├Ąum der Historischen Kommission f├╝r den Kreis Neustadt/OS luden die Paten- und Partnerstadt Neustadts, Northeim (Han.), und der Vorstand Mitglieder und G├Ąste zur Jubil├Ąumsfeier am 7. und 8. M├Ąrz 2015 an den Gr├╝ndungsort ein. In Northeim war am 12./13. April 1985 die Historische Kommission (HKKNOS) durch Horst Zobel und einige weitere an der Geschichte des Kreises Neustadt/OS Interessierte gegr├╝ndet worden.


Die Feierlichkeiten wurden am Samstag, den 7. M├Ąrz, im B├╝rgersaal im St. Blasien-Komplex er├Âffnet. Der B├╝rgermeister von Northeim, Hans-Erich Tannh├Ąuser, begr├╝├čte alle Anwesenden sehr herzlich und gratulierte der HKKNOS zum 30-j├Ąhrigen Bestehen, ebenso zu langer wissenschaftlicher T├Ątigkeit und ihrem erfolgreichen Beitrag zur Vers├Âhnung zwischen Deutschland und Polen. Er sicherte der HKKNOS zu, in Northeim auch k├╝nftig immer eine Heimat zu finden, umriss die Geschichte der Neust├Ądter Heimatstube und schilderte den derzeitigen Stand des Umzugs der Neust├Ądter Heimatstube ins St├Ądtische Museum von Northeim.
Auch der B├╝rgermeister von Neustadt/OS (poln. Prudnik) Franciszek Fejdych und der stellvertretende Landrat des Kreises Neustadt Krzysztof Barwieniec sprachen der HKKNOS ihre Geburtstagsgl├╝ckw├╝nsche aus. B├╝rgermeister Fejdych w├╝rdigte den sensiblen aber stets wahrheitsgetreuen Umgang der HKKNOS mit der Geschichte der gemeinsamen Heimat mit den Worten:

ÔÇ×In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Historische Kommission mit sehr schwierigen Themen befasst, mit Themen, die dazu geeignet sind, die Menschen eher zu trennen als zu einen. Bei Ihnen wurde es anders: Sie haben eine Verst├Ąndigungsebene geschaffen, bei der das Gespr├Ąch zu schwierigen Themen stets mit einer geb├╝hrenden Achtung vor denen geschah, die es betraf.ÔÇť

Auch der Vizelandrat Barwieniec betonte die Wichtigkeit einer unverf├Ąrbten und gleichzeitig einf├╝hlsamen Aufarbeitung der Geschichte des Kreises durch die HKKNOS. Er ├╝berbrachte Gr├╝├če des Landrats Roszkowski, der seine Anwesenheit in letzter Minute aus dringenden Gr├╝nden leider absagen musste, und stellte die durch den Landrat initiierte Towarzystwo Historyczne Ziemi Prudnickiej (Historische Gesellschaft des Neust├Ądter Landes) vor, die im Entstehen begriffen ist und k├╝nftig mit der HKKNOS aufs engste kooperieren m├Âchte.
Daraufhin begr├╝├čte der erste Vorsitzende der HKKNOS, Prof. Dr. Ralph Wrobel, alle Anwesenden und stellte den Werdegang, die bisherigen Errungenschaften, die aktuellen vielseitigen T├Ątigkeitsfelder und die k├╝nftigen Perspektiven der Kommission vor. Aufgrund der Anwesenheit der G├Ąste aus Polen – au├čer dem B├╝rgermeister von Neustadt und dem Vizelandrat waren auch der zweite B├╝rgermeister von Neustadt, Stanis┼éaw Hawron, sowie die Vorstandsmitglieder des Towarzystwo Historyczne Ziemi Prudnickiej, Frau Urszula Rzepiela und Herr Marcin Husak anwesend – wurde die gesamte Veranstaltung mit Hilfe von engagierten Dolmetschern zweisprachig gef├╝hrt.
Einen H├Âhepunkt der Festveranstaltung bildete der Vortrag des bekannten Schlesien-Historikers, Herrn Dr. Ulrich Schmilewski, Gesch├Ąftsf├╝hrer der Stiftung Kulturwerk Schlesien, erster stellvertretender Vorsitzender der Historischen Kommission f├╝r Schlesien und Schatzmeister des Vereins f├╝r Geschichte Schlesiens. Dr. Schmilewski pr├Ąsentierte mit dem h├Âchst spannenden Vortrag ÔÇ×Der schlesische Adel und die Gegenreformation am Beispiel der Schaffgotsch und der OppersdorffÔÇť ein in der Schlesienforschung brandaktuelles Thema, das durch die Besch├Ąftigung mit dem Adelsgeschlecht derer von Oppersdorff auch die Geschichte des Kreises Neustadt direkt ber├╝hrt. Neben der interessanten Thematik erfreute Dr. Schmilewski die Zuh├Ârer auch mit der Mitteilung, dass er bei der Erstellung seines Vortrages h├Ąufig auf Arbeiten von Mitgliedern der HKKNOS zugegriffen habe.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen, wurde im gro├čen Tagungssaal der Restaurants ÔÇ×Goldener L├ÂweÔÇť der zweite Teil der Festveranstaltung begonnen. Die Vorstandsmitglieder des Towarzystwo Historyczne Ziemi Prudnickiej, Frau Urszula Rzepiela und Herr Marcin Husak hielten gemeinsam den Vortrag ÔÇ×Willa Hermanna Fr├Ąnkla – fabrykanta, dyplomaty, filantropaÔÇť (Villa des Fabrikanten, Diplomaten und Wohlt├Ąters Hermann Fr├Ąnkel). W├Ąhrend der Mitarbeiter des St├Ądtischen Museums in Neustadt und Neumitglied der HKKNOS Husak sich mit der Person des Erbauers besch├Ąftigte, l├╝ftete die ehemalige Direktorin des St├Ądtischen Museums in Neustadt Rzepiela vor den Zuh├Ârern die geheimnisvolle Architektur der k├╝rzlich komplett renovierten Villa in Neustadt. Den offiziellen Abschluss der Festveranstaltung bildete der historische Vortrag von Prof. Wrobel ÔÇ×Die Paulinerm├Ânche im Kloster Wiese – Auf den Spuren von Xaver Rotter durch das InternetÔÇť. Dabei pr├Ąsentierte der Referent M├Âglichkeiten zur Auffindung interessanter Quellen im Internet und das durch systematisches Kopieren ├╝ber Jahrhunderte und Sprachgrenzen hinweg erfolgte unkritische Plagiieren bei der Erstellung von historischen Darstellungen. Nach einem gemeinsamen Abendessen f├╝hrten die Mitglieder und G├Ąste in gem├╝tlicher Atmosph├Ąre angeregte und spannende Gespr├Ąche bis weit in die Nacht hinein.

Am darauf folgenden Sonntag besuchten die Mitglieder der HKKNOS gemeinsam mit den polnischen G├Ąsten die neueingerichtete Neust├Ądter Heimatstube im St├Ądtischen Museum von Northeim. Daraufhin verabschiedeten sich die G├Ąste aus Polen, und die Mitglieder der HKKNOS schritten zur Jahreshauptversammlung des Vereins, die ebenfalls im gro├čen Tagungssaal im ÔÇ×Goldenen L├ÂwenÔÇť stattfand. Nachdem der erste Vorsitzende Prof. Wrobel die Beschlussf├Ąhigkeit festgestellt hat, berichtete er ├╝ber die aktuell laufenden T├Ątigkeiten und Projekte des Vereins. So wird derzeit an einer Erneuerung der Interseite der HKKNOS gearbeitet, die insbesondere zeitgem├Ą├č und zweisprachig, bzw. k├╝nftig eventuell sogar dreisprachig (dt./pl./engl.) erscheinen soll. Vor allem die in letzter Zeit der HKKNOS beigetretenen jungen Mitglieder konnten mit zahlreichen Vorschl├Ągen und Ideen die Diskussion zu diesem Thema bereichern. Es wurde der Vorschlag des Webmasters Christian Sarnes angenommen, mit dem System WordPress die Homepage in n├Ąchster Zeit neu aufzubauen. Weiterhin berichtete Prof. Wrobel ├╝ber den aktuellen Stand der Planungen zur Jubil├Ąumsfahrt ÔÇ×Von Krakau nach Neustadt/OS: Studienfahrt durch Kleinpolen und OberschlesienÔÇť, die von 30.08. bis 06.09.2015 stattfinden wird. Obwohl der Gro├čteil der Pl├Ątze hier bereits belegt ist, k├Ânnen ein paar Interessierte gerne noch aufgenommen werden. Zum Schluss stellte der erste Vorsitzende sein neues Buch ÔÇ×Geschichte der D├Ârfer Deutsch und Polnisch M├╝llmenÔÇť vor, das er gemeinsam mit Pfarrer Wolfgang Globisch k├╝rzlich publizierte, das jedoch inzwischen vollst├Ąndig vergriffen ist. Eine verbesserte Neuauflage soll demn├Ąchst erfolgen.
Der zweite Vorsitzende, Andreas Smarzly, bat die Mitglieder, mit denen der Schriftverkehr noch per Post erfolgt, die aber bereits ├╝ber eine E-Mail-Adresse verf├╝gen, diese dem Vorstand mitzuteilen, um den k├╝nftigen Informationsaustausch zu erleichtern. Zudem berichtete er ├╝ber die Vortragsreise nach Oberschlesien vom 15. bis 19. Juni 2014 (siehe Bericht im Historischen Rundbrief 01/2015). In diesem Zusammenhang stellte er hier sein Buch ÔÇ×Blaschewitz (Kreis Neustadt OS) – Geschichte eines oberschlesischen DorfesÔÇť vor, das als 8. Band im Rahmen der Landeskundlichen Schriftenreihe der HKKNOS im Jahre 2014 zweisprachig erschienen ist. Auch dieses Buch ist bis auf vereinzelte Restposten weitestgehend ausverkauft, eine Neuauflage ist hier nicht geplant. Andreas Smarzly berichtete zudem ├╝ber private Digitalisierungsprojekte einiger Mitglieder der HKKNOS von wichtigen Quellen zur Geschichte des Kreises Neustadt. So entstanden k├╝rzlich DVDs mit digitalisierten Ausgaben der Neust├Ądter Heimatbriefe 1950-2014, des Oberglogauer Stadtblattes 1905-1939, der Oberglogauer Zeitung 1845/47 und der Neust├Ądter Kreisbl├Ątter 1843-1938, die ├╝ber die HKKNOS bezogen werden k├Ânnen. In diesem Zusammenhang pr├Ąsentierte Sebastian K├Ânig die erst k├╝rzlich durch ihn fertiggestellte Digitalisierung der Neust├Ądter Heimatbriefe 1950-2014 und die einfachen Auswertungsm├Âglichkeiten dieser wertvollen Quelle. K├Ânig wies darauf hin, dass aufgrund der Vorgabe von Frau L├╝ddecke und des Rocco-Verlages, welche die Rechte an den Neust├Ądter Heimatbriefen besitzen, eine Nutzung der Digitalisierung ausschlie├člich f├╝r wissenschaftliche Forschung durch Mitglieder der HKKNOS freigegeben ist.
Zu den laufenden Projekten berichtete Prof. Wrobel ├╝ber den Stand zu den Arbeiten am gemeinsamen Werk der HKKNOS ÔÇ×Der Altkreis Oberglogau im Karolinischen Steuerkataster von 1722/26ÔÇť. So sind inzwischen auch das Vorwort, die wissenschaftliche Einf├╝hrung und die Geschichtliche Einf├╝hrung fertiggestellt und ins Polnische ├╝bersetzt worden. Sofern die redaktionellen Arbeiten an den Transkriptionen der einzelnen D├Ârfer rechtzeitig fertig gestellt werden, k├Ânnen die Abgabe des Werkes an den Verlag und der darauffolgende Druck und die Ver├Âffentlichung eventuell noch im Herbst dieses Jahres erfolgen. Zum Schluss berichtete Johannes Preisner ├╝ber Fortschritte an seinem zweisprachigen Buch ÔÇ×Die Vertreibung der Deutschen aus dem Kreis Neustadt/OSÔÇť, das ebenfalls im Rahmen der Landeskundlichen Schriftenreihe der HKKNOS herausgegeben werden soll.
Die j├Ąhrliche Kassenpr├╝fung wurde auf Antrag der Schatzmeisterin Rosemarie Matulla, die l├Ąngere Zeit krankheitsbedingt ausgefallen war, auf das n├Ąchste Jahr verlegt. Frau Matulla gab einen kurzen Bericht ├╝ber den aktuellen finanziellen Stand des Vereins ab.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen wurde die Jahreshauptversammlung beendet und die Teilnehmer konnten in der Sonne den ersten warmen Fr├╝hlingstag des Jahres genie├čen.

Andreas Smarzly
www.hkknos.de

Ver├Âffentlichung in:
NHB
Historischer Rundbrief HKKNOS
Schlesien Heute (gek├╝rzt)
Northeimer Zeitung (gek├╝rzt)
Tygodnik Prudnicki (├╝bersetzt)
Zycie Glogowka (├╝bersetzt)

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